Dienstag 11 Dezember 2018

Päonienblütige Dahlien

von  Michael Stork - Alle Fotos von Michael Stork

Angefangen hat es mit den Dahlien im heutigen Mexiko, der Heimat dieser Blumen. Die Azteken sollen deren nährstoffreiche Knollen gegessen und als Heilmittel genutzt haben. Auf jeden Fall galten die Blüten wegen ihrer Form und Farbe als Symbol für die Sonne. So soll der letzte Kaiser Montezuma Bilder dieser Blume auf seiner Kleidung getragen haben, bevor die spanischen Eroberer ihn dann umbrachten.

bishop of doverSamen von Dahlia pinnata gelangte mehr als 200 Jahre später nach Madrid, wo die Pflanze 1791 im dortigen botanischen Garten ihre wissenschaftliche Erstbeschreibung erhielt und nach dem schwedischen Botaniker Dahl benannt wurde. Kurz darauf gab es noch eine (irrtümliche) Zweitbenennung nach dem deutschen Forscher Georgi, weshalb lange Zeit neben dem gültigen Namen Dahlie auch noch Georgine für dieselbe Pflanze gebräuchlich war.

Erst als Alexander von Humboldt Dahliensamen von seiner Reise durch Mittel- und Südamerika nach Paris und Berlin mitbrachte, wurde der Gartenwert dieser Blumen erkannt und trug entscheidend zu ihrer Verbreitung bei. Binnen kurzer Zeit erfolgte eine große Zahl von Züchtungen, bereits 1818 soll ein Großteil der heute vorhandenen Farben und Farbkombinationen da gewesen sein. Im Laufe der Jahre kamen immer neue und ausgefallene Farben und Formen dazu. Der Blütenform nach werden Dahlien in Klassen eingeteilt, z.B.: Balldahlien, Seerosendahlien, Kaktusdahlien…  eine rein gärtnerische Klassifizierung, keine botanische! (vgl. Deutsche Fuchsien,- Dahlien,- Gladiolengesellschaft)

Aus der Klasse: Diverse Dahlien erfreuen sich die Bischofsdahlien bei Gartenfreunden neuerdings wachsender Beliebtheit.

Bishop of AucklandIhre Geschichte begann 1884 in Frankreich, wo die erste dunkellaubige Dahlie mit dem Namen 'Lucifer' gezüchtet wurde, Vorbild für viele Sorten mit dunkeler Belaubung, wie auch die Bischofsdahlien. Zu ihrem Namen kam die 1927 in England entstandene 'Bishop of Llandaff' (siehe Bild oben), als ihr Züchter Stephen Treseder in Cardiff, Wales, sie nach seinem örtlichen Bischof Bishop Huges benennen wollte. Der wiederum war darüber gar nicht ‚amused’, also nannte Treseder sie schlicht: 'The Bishop'. Das aber ging gar nicht, weil nach den Regeln der Nomenklatur kein 'The' im Namen auftauchen durfte. So wurde sie dann zum 'Bishop of Llandaff', dem Namen des Bischofssitzes in Cardiff. (Llandaff = Stadtteil von Cardiff) Ob es den Bischof gefreut hat, dass die Dahlie bereits 1928 den Award of Merit von der RHS verliehen bekam? Im Jahre 2004 wurde sie sogar unter die besten Pflanzen der letzten 200 Jahre aufgenommen!

Bishop of DoverNun tauchten seit einigen Jahren weitere 'Bischöfe' auf:

'Bishop of Canterbury'
'Bishop of Dover'
'Bishop of Lancaster'
'Bishop of Leicester'
'Bishop of Oxford'
'Bishop of York'

Diese neueren Sorten sind von  Jan van der Linden in Hillegom gezüchtet worden und erfreuen sich hoher Beliebtheit bei Staudenfreunden.

Gaissmayer beschreibt die Sorte 'Bishop of Auckland'  in seinem Internet-Katalog:  Dieser noch wenig bekannte Nachkömmling der berühmten 'Bishop of Llandaff' wurde 2002 vom Niederländer van der Linden ausgelesen. Er zeichnet sich durch warme, harmonische, faszinierende schwarzrote Blüten aus, welche in Kombination mit dem dunklen Laub diese Sorte ganz besonders wertvoll machen.

Weiter schreibt Gaissmayer: Die päonienblütigen Dahlien der Bishop-Serie sind mit ihren harmonisch wirkenden, offenen Blüten  (Durchmesser ca.10 cm) recht untypisch für diese Gattung und werden oftmals nicht als Dahlien erkannt. Mit ihrem natürlichen Charme und ihrer außerordentliche langen Blütezeit sind sie ideal in Staudenbeete zu integrieren und setzen dort ganz besondere Akzente. Besonders bemerkenswert ist das dunkle, feingeschlitzte Laub, wodurch die Pflanzen bereits vor der Blüte eine attraktive Wirkung haben. Als Bienen- und Insektennährpflanzen äußerst beliebt!

Zum Schluss noch einige Bemerkungen zu 'Twyning's After Eight', die im Dortmunder Staudenbeet (67m Ost) zu bewundern ist.

Twyning's After EightDiese Sorte wurde von Mark Twyning als Sämling von 'Clarion', einer leuchtendgelben Dahlie mit sehr dunklem Laub gezüchtet. Sie stand 2004 im Wisley Sichtungsgarten und wurde dort mit einem Award of Garden Merit ausgezeichnet. J.S. Wheatley  hat  diese Dahlie mit dem alten, aber immer noch unerreichten 'Bishop of Llandaff' gekreuzt. Und was kam dabei heraus? Ein neuer Bischof: 'Bishop Peter Price'

So schließt sich ein Kreis!!!