Dienstag 11 Dezember 2018

Elfenkrokus

von  Michael Stork

Krokus liebt Aurikel - Bienen als Briefboten

So bei Wilhelm Busch.

Was stimmt: Blumen liefern 'Bienenbrot' (Pollen), die anmutige Blütenform (Elfenkrokus)

Was nicht stimmt: Die Zahl der Blütenblätter. Alle Blüten der Pflanzen aus der Ordnung der Lilienartigen (Liliales) sind dreizählig. So hat Krokus 6 Blütenblätter, 3 äußere, 3 innere.

Wir erinnern uns: Die Lilienartigen haben mehrere Pflanzenfamilien:

  • Amaryllisgewächse (Schneeglöckchen, Narzissen…)
  • Liliengewächse (Lilien, Tulpen…)
  • Irisgewächse (Iris, Krokus…)

Die Hauptunterscheidungsmerkmale:

  • Liliengewächse: Der Fruchtknoten sitzt über den anderen Blütenorganen (oberständig)
  • Amaryllisgewächse sind unterständig, 6 Staubgefäße
  • Irisgewächse sind unterständig, 3 Staubgefäße

In der Oktoberausgabe unserer Zeitschrift  (Der Staudengarten 4-2009) gibt es einen Beitrag über den Krokus 'Pickwick', die 'Blumenzwiebel des Jahres 2009'. Hier wird sehr anschaulich über den Gartenwert der Gattung Krokus geschrieben, und es werden auch Kultur- und Pflanztipps gegeben. Eine Ergänzung: Der Husumer Schloßkrokus ist nicht der im Folgenden vorgestellte sondern Crocus neapolitanus. Gründe für die massenhafte Blüte so weit außerhalb seines Verbreitungsgebietes (Name!) sind bis heute nicht bekannt.

Crocus tommasinianus

Wenn in den ersten warmen Frühlingstagen ein blau-lila Schimmer über (schwach gepflegten) Rasenflächen, ruhigen Gartenzonen oder an Gehölzrändern liegt, handelt es sich zumeist um diese Art.

Crocus tommasinianus

Wie sein nächster Verwandter, der Gartenkrokus (Crocus vernus), folgt er in seinem natürlichen Verbreitungsgebiet dem zurückweichenden Schnee.

C. vernus ist heimisch in den Alpen, C. tommasinianus auf dem Balkan.

Während C. vernus vor allem in Holland als Grundlage zur Züchtung vieler bekannter großblumiger Gartensorten diente, blieb C. tommasinianus das, was er immer war: Eine Wildart mit immensem Anpassungsvermögen an verschiedene Standorte mit der Fähigkeit, sich dort zu versamen, wo es ihm gefällt.

Die folgende Artbeschreibung (teilweise verändert) ist entnommen aus:

Brian Mathew:
The Crocus

Die Schreibweise mit Doppel–m ist richtig: Die Art wurde benannt (1847) nach de Tommasini, einem Botaniker aus Triest, der die Dalmatische Flora studierte.

Dieser Krokus ist einer der ersten Frühlingskrokusse und blüht noch deutlich vor seinem nächsten Verwandten, C. vernus. Die beiden sind leicht zu unterscheiden:

  • C. tommasinianus hat schlankere Blüten, die sich in der Sonne voll öffnen zu einem flachen Stern, während C. v. eher die Form eines Weinglases behält, das sich nach unten verjüngt. Die Blütenfarbe ist ebenfalls unterschiedlich: Bei C. t. sind die Blütenblätter lila mit blass silbrigem Äußerem, die Blütenröhre ist weiß. C. v. demgegenüber besitzt weiße, violette oder gestreifte Blüten, außen selten verschiedenfarbig und niemals in der Kombination mit einer weißen Blütenröhre und violetten Segmenten.

  • C. v. hat breitere Blätter (4 – 8 mm), zur Blütezeit schwach oder noch gar nicht ausgebildet. C. t. hat 2 – 3 mm breite Blätter, die die Blüte manchmal sogar überragen.

Am Wildstandort ist C. t. überraschenderweise in seiner Verbreitung sehr eingeschränkt und auch nicht besonders veränderlich, während er sich im Garten fast invasiv ausbreitet. Hier produziert er auch Farbvarianten von blass lila bis tief rot-violett.

Einige wurden selektiert und erhielten Sortennamen:

  • 'Barr's Purple'  (großblumig, lila-violett, grauer Hauch außen)
  • 'Ruby Giant' (violett-purpur, leider steril )
  • 'Whitewell Purple' (satt rötlichviolett)
  • 'Albus'  (Albinoform, auch am Wildstandort)


Standort:
Laubwälder, steinige Abhänge oder zwischen Felsen in größeren Höhen, gewöhnlich auf Kalk, folgt mit der Blüte dem zurückweichenden Schnee, 1000 – 1500 m.

Verbreitung:
NW Bulgarien, Montenegro, Bosnien, S Ungarn.

Erster Fund durch Tommasini im Biokovo-Gebirge (vgl. auch Geranium!)


… und weil's so schön ist, noch einmal Wilhelm Busch:

Zuweilen brauchet die Familie
Als Suppenkraut die Petersilie. –
Und da nun grad Christine Dralle
Heut' morgen auch in diesem Falle,
So sieht man sie mit Wohlgefallen
In ihres Vaters Garten wallen. –
– Herrn Knörrjes Garten liegt daneben;
Und ach! Sie denkt an Knörrje eben.
Zu Anfang schätzt sie ihn als Lehrer,
Dann aber immer mehr und mehrer;
Und also schlich die süße Pein
Sich peu à peu  ins Herz hinein –
Die Liebe – meistens schmerzlich heiter –
Vergißt gar leicht die Suppenkräuter;
Sie liebt vielmehr die Blumenkelche,
 
Und auch Christine pflückt sich welche
 
Aurikel – Crocus – diese guten
Sind so vereint, eh sie's vermuten.