Dienstag 11 Dezember 2018

Blaue Sternchen

von  Michael Stork

Sie sind einander ähnlich und nahe verwandt aber nicht gleich:

Blaustern vs Schneeglanz

 

 Blaustern (Scilla)

und

Schneeglanz (Chionodoxa)

 

Botanisch waren sie früher in den Pflanzenfamilien der Liliengewächse oder bei den Hyazinthengewächsen eingeordnet. Nun finden wir sie bei den Spargelgewächsen (Asparagaceae) wieder: Guten Appetit!


Von beiden gibt es mehrere Arten; sie stammen zumeist aus den südöstlichen Mittelmeergebieten, d.h.: Griechenland und Türkei. Auf ihre Herkunft könnten auch ihre bot. Namen hinweisen: Scilla und Charybdis sind die berüchtigten legendären Felsen in der Meerenge von Messina (Süditalien/Sizilien). Chionodoxa (griech. χιον = Schnee, δοξα = Ruhm) weist auf die frühe Blüte hin: Sie glänzen aus dem Schnee heraus, wenn es dann nochmal welchen gibt.

Im Garten mögen sie die Umgebung ihrer Heimat: Sonnig aber feucht während der Blüte im Frühjahr, danach eher trocken. Gleich nach der Blüte werden  in den Blättern Nährstoffe produziert, die dann in den Zwiebeln gespeichert werden – bis zur Blüte im nächsten Frühjahr.

Bei passendem Standort verbreiten sie sich sehr schnell im ganzen Garten: Durch Futteranhänge an den Samen (Elaiosomen) verbreiten Ameisen die Samen, nachdem sie die nahrhaften Kalorienanhänge verzehrt haben, als Abfall in der näheren Umgebung ihres Nestes.

Obwohl klein und unscheinbar, ist der Gartenwert dieser kleinen Pflanzen hoch: Sie wirken durch den frühen Blühtermin (da gibt es noch wenig Konkurrenz) und dann besonders in Gruppenpflanzung – sie bilden schöne und auffallende blaue Flecken im Garten. Beide Pflanzengattungen sind nicht besonders artenreich, beim Blaustern sind Scilla bifolia und Scilla sibirica die beliebtesten Arten für die Gartenkultur. Während der zweiblättrige Blaustern (S. bifolia) sich von Südeuropa bis nach Deutschland ausbreitet, täuscht der Name der anderen Art Sibirien als Heimat nur vor; dort ist es viel zu kalt, er stammt aus Südrussland bis hin zur Nordtürkei.

Beim Schneeglanz  machen sich mehrere Arten in der Beliebtheit Konkurrenz in den Gärten: Die häufigsten Bewohner unserer Gärten sind Chionodoxa luciliae, heller blau, sogar weiß oder als rosa Variante, mit verwaschenem weißen Auge, und Chionodoxa sardensis, tieferes Blau ohne Auge. Chionodoxa forbesii ist kräftiger mit größeren Blüten.

Bei der Benennung der Arten herrscht, vorsichtig ausgedrückt, einiges an Unklarheit. Namen werden geändert oder vertauscht, auch als Synonyme für andere Arten benutzt. Wenn schon nicht die Arten, die Pflanzengattungen Scilla und Chionodoxa lassen sich leicht unterscheiden: Man muss nur genau hinschauen. Schneeglanz schaut zumeist nach oben, die Blüten von Blaustern (S. sibirica) sind dagegen nach unten gerichtet. Bei Vergrößerung sieht man beim

Blaustern

Blaustern:

Staubgefäße und Stempel stehen frei

Schneeglanz:

Stempel und Staubgefäße
zu einer Röhre verwachsen

Schneeglanz

 

Stinzenpflanzen sind verwilderte Zwiebelgewächse, die in mittelalterlicher Zeit aus Gärten oder Burganlagen ausgerissen sind. Stinzen oder Stinsen waren Steinhäuser oder -gebäude, in damaliger Zeit ein Zeichen für Wohlhabenheit. Deren Bewohner konnten es sich leisten, außer Gemüse und Heilkräutern auch Zierpflanzen – häufig Mitbringsel aus Kriegszügen oder auch Handelsgüter aus südlicheren Gefilden – anzupflanzen. Viele dieser Gebäude haben die Zeiten nicht überdauert, die Pflanzen aber doch – wenn Klima und Boden passten. Deshalb findet man nicht selten in Burgruinen, alten Gemäuern oder in der Nähe von Kirchen und Herrenhäusern Krokuswiesen, Narzissenfelder oder, wie hier: Blausterne in frommer Nachbarschaft.

Ludgerikirche in Norden

Ludgerikirche in Norden am 31. März 2017