Dienstag 11 Dezember 2018

Vernonien

von  Michael Stork

Mit ihren deutlich mehr als zwei Metern Wuchshöhe überragen diese Stauden die meisten ihrer "Kollegen" um mehr als Haupteslänge.

Wie beim Gruppenfoto, wo ja auch die Kleinen vorn und die Großen hinten stehen, damit alle ins Bild kommen, müssen Vernonien im Beet ganz nach hinten. Von dort aus haben sie den Überblick über das gesamte Beet, wenn nicht noch höhere oder dichte Sträucher an ihrer Seite ihnen die Sicht versperren.


Piet Oudolf sieht ihren Platz im Präriegarten, wo sie zusammen mit Gräsern und anderen Hochstauden das Bild bestimmen. Dass die Staude eine Riesin ist, wird auf dem Bild oben deutlich. Die violetten Blüten der Vernonia links oben überragen alles andere, was sonst an Stauden hier wächst.

Im Staudenbeet des Botanischen Gartens Dortmund stehen Vernonien im blauen und violetten Beet und erregen dort als "Nichtallerweltstauden" immer wieder die Aufmerksamkeit von Besuchern. Ihre Beschaffung ist manchmal nicht ganz einfach, weil sie meistens nicht im Gartencenter stehen. Auf jeden Fall sind sie aber in gut sortierten Staudengärtnereien als Vernonia crinita (Arkansas Scheinaster) erhältlich - mit Informationen zu Pflege- und Standortansprüchen.

Vernonia crinitaErstmals beschrieben wurde Vernonia durch Johann Christian von Schreber 1791 in Genera Plantarum, benannt jedoch nach dem englischen Botaniker William Vernon, der in Nordamerika Pflanzen sammelte und erforschte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die aktuelle Liste der Gattung Vernonia umfasst seit der Veröffentlichung von Robinson im Jahre 1999 nur noch ca. 20 Arten, die vor allem in Nordamerika beheimatet sind. Zuvor wurden mehr als 1000 Arten - verstreut über alle Kontinente - unter Vernonia geführt.
So u.a.:
Vernonia calvoana, V. amygdalina, V. colorata werden in Afrika als Blattgemüse verzehrt (bitterleaf, bittersüßer Geschmack)

Vernonia amygdalina werden zudem medizinische Eigenschaften zugeschrieben (bei Diabetes, fiebersenkend, antibiotisch)

Aus den Samen von Vernonia galamensis wird in Ostafrika Industrieöl gewonnen.

Die Amerikaner mit ihren 17 dort heimischen "echten" Vernonienarten können da nur vor Neid erblassen - was die Eignung als Nutzpflanzen betrifft. Im Gegenteil: Der "Ohio Führer für ausdauernde und zweijährige Wildkräuter" gibt für Vernonia altissima (Tall Ironweed) sogar Hinweise zur Rodung und chemischen Bekämpfung dieser Pflanzen. Mit bis zu drei Metern Wuchshöhe und "eisenharten" Stängeln (engl. Name) werden diese Stauden auf Viehweiden zum Problem. Sie sind zwar nicht giftig, werden aber nicht gefressen und nehmen den Gräsern und anderen Futterpflanzen den Lebensraum.

So kann man in Internetforen auf amerikanischen Seiten über Erfolge und vor allem Misserfolge bei Bekämpfung von Ironweed lesen, dass weder Mahd noch "Round up" den gewünschten Erfolg bringen, dass sich die Anzahl der gebildeten Samen (6.000 - 19.000 pro Pflanze) sogar noch erhöhen kann.

Auf theHORSE.com (gesunde Pferdehaltung) wurde Tall Ironweed als "Unkraut des Monats" August beschrieben. Hier wird wiederholte Mahd empfohlen sowie die Behandlung der nachwachsenden Triebe mit Herbiziden.

In dieser Diskussion gibt es aber auch eine entgegen gesetzte Richtung:

Hier werden die in Nordamerika heimischen Arten der Gattung Vernonia als Wildkräuter akzeptiert und ihre Bedeutung für die Tierwelt genannt. Besonders hervorgehoben wird dabei das Nektar- und Pollenangebot der Blüten für Bienen, Schmetterlinge, Fliegen...

Vernonia fasciculataEinmal wird Vernonia fasciculata (Smooth Ironweed, Prairie Ironweed) beschrieben unter der Rubrik:
Plants We Love.
Diese Art wird nur 1,5 m hoch und verbreitet sich durch Rhizomwachstum nur langsam. Anspruchslos an ihren Standort, kommt sie mit zeitweiser Überflutung genauso zurecht wie mit trockenen Perioden.

 

 

 

 

 

 

 


Vernonia fasciculata
Deutscher Name:
Büschel-Scheinaster


VernoniasämlingDie Vernonie in unserem Staudenbeet stammt ebenfalls aus Nordamerika.

Sie wurde im April 1838 als Vernonia arkansana, im Oktober desselben Jahres als Vernonia crinita beschrieben. Heute werden beide Namen als Synonyme für dieselbe Art betrachtet.
Ihre deutschen Namen Scheinaster, Arkansas-Scheinaster, Ufer-Scheinaster geben Hinweise auf Herkunft und Standort.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Im Gegensatz zur kräftigeren Verwandten in der nordamerikanischen Prärie wuchert sie nicht im Garten, die Vermehrung ist sogar ausgesprochen schwierig, weil sie kaum über Samen sondern eher über Wurzelteile erfolgt. In den letzten Jahren beobachten wir im Staudenbeet im Botanischen Garten Dortmund allerdings häufiger vereinzelte Sämlinge, eine Folge der Klimaerwärmung?