Dienstag 11 Dezember 2018

Rittersporne im Garten

von  Michael Stork

Gerhild Diamant bei den Staudenfreunden in Dortmund

Gerhild Diamant„Ach, ich wollte nur mal so…“  Unter diesem Titel einer Skulptur ihrer Freundin begann Gerhild Diamant 2010 mit der Aussaat von Ritterspornen, die sie als Saatgut von verschiedenen Spendern erhalten hatte. Aus Anlass der Kulturhauptstadt Europas – Ruhrgebiet  hatte sie damals einen Aufruf an die Bevölkerung des ehemaligen ‚Kohlenpotts‘ gestartet, Samen von Ritterspornen zu sammeln und diese ihr zuzuschicken. In Duisburg wurden sie dann ausgesät und beobachtet, wie sich die Pflanzen unter den Boden- und Klimaverhältnissen am Niederrhein entwickelten. Vielleicht würden sie ja den Grundstock zu einer neuen Gartenkultur  dieser altehrwürdigen Gartenpflanze bilden?

Ihren Siegeszug durch die Gärten begannen die Rittersporne durch die Züchtungen von Foerster u.a. mit bis heute markanten Namen wie ‘Berghimmel’, ‘Finsteraarhorn’… Jeder Name ein Programm! Das war vor mehr als fünfzig Jahren. Seitdem sind diese Sorten weiter vermehrt: geteilt, geteilt und nochmals geteilt, millionenfach bis zum geht nicht mehr – im wahrsten Sinne des Wortes!   

Eine schnelle Nachfrage bei den Besuchern des Vortrags ergab:
Viele hatten Rittersporn im Garten, die ihn noch haben, melden Probleme vielerlei Art. Allgemeine Meinung: Sehr heikel in der Haltung, nicht langjährig beständig am Standort.

Und das war wohl auch der Grund für den zahlreichen Besuch dieser Veranstaltung: Alle lieben Rittersporn im Garten, möchten aber eine Anleitung bzw. Tipps von der  Fachfrau für gesunde Pflanzen und eine erfolgreiche Haltung dieser prächtigen Pflanzen.

Dazu zunächst, was gar nicht geht und überhaupt nicht empfohlen werden kann: Blühende Pflanzen im Großcontainer kaufen mit der Erwartung, im nächsten Jahr dieselbe Blütenpracht zu sehen. Das geht in der Regel schief, weil die Pflanzen nicht das alles zusammen können, was da von ihnen erwartet wird: Prächtig blühen, möglichst 2x Rückschnitt und dann noch Reservestoffe im Wurzelbereich  bilden für die Überwinterung und den Austrieb im folgenden Jahr.

Gerhild Diamant empfiehlt statt dessen den Kauf einer Jungpflanze, die hauptsächlich aus einem kräftigen Wurzelstock besteht und aus dem die  neue Pflanze aufgebaut wird. Die Jungpflanzen sollten spätestens im Juni gepflanzt sein, damit die Wurzeln genügend Zeit haben, ihre Aufgaben im  Boden zu erfüllen. Diese Regel gilt im weitesten Sinne für alle Stauden.

Weitere Tipps:

- Guter Standort, lockerer humoser Boden
- Möglichst keine Bedrängung im Wurzelbereich durch dichte Pflanzung
- Wenig Dünger, Kompost empfohlen (hat Bodenstruktur)
- Rückschnitt möglichst erst, wenn unten neues Grün erscheint
- Zum Winter abgeblühte Blütenstängel umknicken (kein Wasser in die Wurzel, keine Verstecke für Schnecken)

Wichtigster Tipp für gesunde und dauerhafte Rittersporne im Garten ist für Gerhild Diamant jedoch die Verwendung von Sämlingen, die durch Auslese oder Einkreuzen von Wildarten höhere Vitalität und zugleich größere Vielfalt erreichen. Wenn bei Jahrzehnte langer vegetativer Vermehrung zwar die identische Sorte erhalten bleibt, zeigen sich dann doch irgendwann die beobachteten negativen Effekte (Sortenmüdigkeit, ‚Materialermüdung‘) Bei generativer Vermehrung können  jedoch Eigenschaften alter Sorten und/oder von Wildarten erscheinen (genetische Vielfalt).

Und deshalb der Aufruf von 2010 für die Erneuerung der beliebten Kulturpflanze Rittersporn in der Kulturhauptstadt Europas. Inzwischen sind dann aus dem  „Ach, ich wollte nur mal so …“ Ergebnisse entstanden:

Auf der Basis von Delphinium elatum (europäischer Rittersporn) züchtete Gerhild Diamant Pflanzen, die in ihrer Blütenfarbe, Ausbildung des Blütenstandes, Farbe des Blütenauges (sie nennt es Biene), große Variabilität zeigen. Einige dieser Sämlinge kommen dabei alten Sorten nahe: z.B. dem ‘Lanzenträger’

Auf die Frage: „Und wie züchten die Engländer ihre vitalen farbenprächtigen und gesunden Pflanzen?“ wusste niemand eine befriedigende Antwort. Auf einer Gartenreise 2012 konnten Dortmunder Staudenfreunde die Sichtungen im Garten Wisley bestaunen, die gärtnerischen Arbeiten und züchterischen Tricks bleiben Besuchern hierbei verborgen (Die spritzen!)...

Rittersporne Wisley Garden

Manche weitere Frage blieb offen, vor allem für das Versagen in unseren Staudenbeeten. H.P. Eickmann hält Delphinium im Dortmunder Beet z. Zt. für wenig erfolgversprechend: Als alpine Pflanze sind seiner Meinung nach die milden Winter nicht zuträglich. Mehrere Wochen Frost bei möglichst geschlossener Schneedecke sind ideal, „bei uns verfaulen die Pflanzen im Winter“.

Trotz aller Anstrengungen und aller gärtnerischen Bemühungen sieht Gerhild Diamant in diesem Jahr für Delphinium nur mäßige Erfolge. Für die Besucher jedoch strahlte sie grenzenlosen Optimismus aus, was die Zukunft der Sämlings Aussaaten betrifft. Und warum sollten wir nicht statt ‚Fertigprodukten‘ es auch mal versuchen nach dem Motto: Selbst ist der Ritter!!!

 

Alle Fotos Michael Stork