Dienstag 23 Juli 2019

Dunkel und kaum Wasser: Auch dort leben Pflanzen

von  Monika Zybon-Biermann

Staudengärtner Till Hofmann gibt Tipps zur Pflanzenwahl

Günsel

Gärtnern nach ökologischen Gesichtspunkten ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern spart Geld und Arbeitszeit: Diesen Grundsatz verdeutlichte Staudengärtner Till Hofmann in seinem Referat über Pflanzen für Extrem-Standorte. Als hauptberuflicher Mitarbeiter des berühmten Schau- und Sichtungsgartens Herrmannshof in Weinheim beschäftigte er sich täglich mit Lebensbereichen, in denen Pflanzenwachstum durch Stress eingeschränkt wird. Immerhin hat die renommierte Einrichtung unter Leitung von Cassian Schmidt sich durch die Entwicklung von Pflanzkonzepten für naturnahe, dauerhafte und pflegeleichte Staudenflächen einen Namen gemacht. Das Bild zeigt übrigens Günsel, der schattige Plätze mit leicht feuchtem Boden mag.

 

Till Hofmann Fine MolzTrockener Schatten unter großen Gehölzen lässt in der Natur kaum etwas wachsen - außer Efeu, der seinerseits den Stress für Stauden noch vergrößern kann. Da sind sich Till Hofmann und seine Partnerin Fine Molz (im Bild) einig: es gibt kaum extremere Problemplätze. Im Sommer wird man in einem Waldgarten mit dunklem Blätterdach kaum mit Blüten rechnen können, aber im Frühjahr kann sich dort eine prachtvolle Gesellschaft entwickeln - aus einem dichten Blumenzwiebelteppich. Geophyten sind an solchen Orten an ihrem Platz. Dort, wo die Lichtverhältnisse günstiger sind, kommen weitere Spezies hinzu, z. B. Epimedium, die Elfenblumen, Lithospermum, der Steinsame, diverse Freiland-Alpenveilchen, Hepatica, die Leberblümchen, Maiglöckchen und mandelblättrige Wolfsmilch. Auch Heuchera, das Purpurglöckchen und die wilde Iris foetidissima sind am trockenen Gehölzrand besser als im Prachtstaudenbeet aufgehoben. Veilchen fühlen sich sogar an recht düsteren Orten wohl und versamen sich in Gesteinsfugen..

Auf vollsonnigen und steinigen Plätzen bieten sich Gewächse der mediterranen Garrigue-Vegetation an, so wie man sie im Hinterland der Mittelmeerküsten vorfindet. Sie ist die Heimat vieler aromatischer, immergrüner und graulaubiger Pflanzen. Halbsträucher, die langsam wachsen, sind dort häufig. Einmal eingewachsen, lässt eine solche Pflanzengesellschaft kaum noch Platz für unerwünschte Wildkräuter. Lavendel, Salbei, einige Allium-Arten, Oregano sind dort mehr zu Hause, wachsen kompakter und sind langlebiger als im gut mit Nährstoffen versorgten Beet. Auch die Arten der amerikanischen Trockenprärie (Yucca, Penstemon) bevorzugen nährstoffarme, mineralische Sonnenplätze. Die prächtige Kokardenblume, sonst nur kurzlebig, zeigt auf heißen und trockenen Plätzen, sogar am Straßenrand ihre besten und ausdauerndsten Seiten. Was alle diese Pflanzen auszeichnet: sind sie einmal eingewachsen, darf man sich das Gießen schenken!

Wer es schwer hat, lebt länger

Die Pflanzenauswahl nach Lebensbereichen ist, so Hofmann, vor allem bei Problemplätzen, wie oben beschrieben, entscheidend. "Im Beet, mit Licht, Wasser und Nährstoffen ausreichend versorgt, wächst alles," bekennt der Staudenprofi. Allerdings fühlen sich die vorgenannten Spezialisten offensichtlich auf den Stress-Standorten wohler. Der Grund: sie leiden weniger unter der Konkurrenz anderer Arten. Es gibt auch Gartenfreunde, die von mediterranen oder Trockenpräriepflanzungen träumen, weil sie attraktiv und dazu pflegeleicht sind. "Die Bedingungen dafür lassen sich leicht nachmachen", versichert Hofmann: "Den Humus entfernen,dann durchlässiges Material wie Kies und andere Steine einbringen." Durchlässige Böden ohne Staunässe erhöhen zudem die Winterhärte mediterraner und anderer Arten aus Trockenregionen.

Wer die Vorschläge in die Tat umsetzen möchte, kann sich auf der Homepage von Till Hofmann und seiner Partnerin Fine Molz www.die-staudengaertnerei.de weitere Informationen holen. Die beiden betrieben im Odenwald bis Ende 2016, neuerdings in Unterfranken eine Staudengärtnerei. Fine Molz, Staudengärtnerin und Landschaftsarchitektin, arbeitet dort ständig an der Weiterentwicklung des Sortiments. Schwerpunkt: die praktische Verwendung im Garten. Ziel: dauerhafte Pflanzenkompositionen, auch für Problemecken. Künftig wird auch ihr Mann dort seinen Hauptarbeitsplatz haben.


Foto: Monika Zybon-Biermann