Dienstag 11 Dezember 2018

Zwergenkinder der Baumriesen finden Platz im kleinsten Garten

von  Monika Zybon-Biermann

Zwei Spezialisten stellten Gehölze vor, die zu Stauden passen

Steffi Koppenhagen und Herman GeersWenn Staudenfreunde sich mit Holzgewächsen beschäftigen, müssen es besondere sein. Dementsprechend ging es beim April-Vortrag 2015 der Dortmunder Staudenfreunde um „Kleine Gehölze für alle Gärten.“ Was die Referenten, Herman Geers aus dem niederländischen Boskoop und Steffi Krampe-Koppenhagen (Bild links) aus Wipperfürth vorstellten, waren keine künstlich kleingehaltenen Bonsais. Lebende Beispiele in Töpfen und die Bilder zeigten Kultivare, deren bescheidenes Wachstum sie selbst für beengte Verhältnisse geeignet macht. Und das, ohne viel an ihnen herumschneiden zu müssen.

Kaum zu glauben, aber es gibt Buchen, Eichen und Tannen, die ein Leben auf den paar Quadratmetern eines Vorgartens oder sogar im Kübel verbringen können. Mutationen, ob als Sämling entstanden oder als „Hexenbesen“ (Knospenmutation) machen das möglich. Dabei hat die Natur nicht nur Zwerge, sondern auch andere Erscheinungen hervorgebracht, die sich mit wenig Platz begnügen: schmale Hänge- und Trauerformen oder Sträucher, die ganz flach über den Boden kriechen. Sie alle lassen sich gut mit Stauden kombinieren und bilden auf Grund ihrer ganzjährig vorhandenen Struktur das architektonische Gerüst des Gartens.

Baumschul-Gärtner Herman Geers, dessen Betrieb hunderte ungewöhnlicher Sorten produziert, hatte Beispiele für jedwede Formveränderung dabei. Eine schlanke, rosaweiße Blütensäule stellte er zu Anfang vor, einen Gartenhibiscus, der zwar hoch hinaus will, aber nie zum brutalen Schattenwerfer ausartet. Er bleibt 30 bis 40 cm breit.

Die meisten Baumarten sind auf einem Reihenhausgrundstück kaum vorstellbar, aber: Die winzigen Kinder der Laubholzriesen wie die Rotbuchen ‘Purpurea Nana’ und ‘Mercedes’, die amerikanische Rosskastanie ‘Koehnei’, kleinbleibende Eichen, z. B. die amerikanische Roteiche ‘Haaren’, die asiatische Mini-Ulme ‘Hokkaido’, ein wahrer Naturbonsai, 40 Jahre alt, 30 bis 35 cm hoch, widerlegen das Vorurteil, so etwas sei hauptsächlich bei Nadelhölzern zu finden. In der Tat ist bei Koniferen das Zwergenvolk besonders zahlreich. Wie sollte man sonst die Giganten der Wälder in den Garten holen? (Um es in Erinnerung zu rufen: die größten Bäume der Welt sind Konferen. Mammutbäume schaffen 80 bis 100 Meter Höhe, eine Tanne in Europa rund 60 Meter!)

Diverse Hexenbesen von Kiefern, Kaukasusfichte, Libanon-Zeder ernteten erstaunte Blicke. Und das alles ohne Schnitt? Geers, der viele „Bonsaianer“-Kunden hat, versichert:  Zwar seien die vorgestellten Sorten genetische Zwerge, aber schneiden könne man im Prinzip alle Gehölze; bei Immergrünen müsse das sachgerecht erfolgen. Laubgehölze seien da meist wenig problematisch; auch Lärchen-Mutationen (‘Wolterdingen’, Kreijci’) ließen sich den Gebrauch der Schere gern gefallen.

Inzwischen gibt es Zwergformen für alles Mögliche: Sogar Zieräpfel (Malus ‘Brockmann’) und eine rote Johannisbeere, beide mit essbaren Früchten, behalten Blumentopf-Format. Die Ernte ist zwar klein, aber die Früchte geniesbar. Der Spaß ist die Hauptsache dabei. Was manchmal die Freude dämpfen kann, ist der höhere Preis für besonders langsam wachsende Exemplare. Der Grund liege auf der Hand, erläutert der Boskooper. Es falle sehr wenig Vermehrungsmaterial für Veredlungen an. „Wenn ein Gehölz nur zwei Zentimeter im Jahr wächst, können Sie davon nicht viel abschneiden...“

Samstags können Privatkunden die Baumschule in Boskoop besuchen, die ihre Produktion vor allem an Baumschulen und Gartencenter verkauft. Die Adresse: Herman Geers, Laag Boskoop 104, 2771 GZ Boskoop. Informationen und eine Übersicht über alle Sorten gibt es auf der Homepage: hgeers.nl/

 

In weitläufigen Anlagen ist Raum für viele Minis
Schaugarten zeigt, was man damit machen kann

Dass platzsparende Baum- und Strauchsorten sich auch für große Flächen eignen, bewies die Korreferentin, Steffi Krampe-Koppenhagen, mit Bildern aus ihrem über einen Hektar großen Schaugarten. Den hatten bereits ihre Eltern angelegt, um hier den in ihrer Gärtnerei „Findling“ angebotenen alpinen und Schattenstauden, Fetthennen, Dachwurz und Steinbrech, den dazu passenden zahlreichen Zwerg- und Kleingehölzen sowie japanischen Ahornen eine adäquate Bühne zu schaffen.

In der weitläufigen Hügellandschaft dürfen sich Baum und Strauch frei entfalten und zeigen, was in ihren Genen steckt. Gibt es einen Vorteil, wenn man in einen großen Garten schwach wachsende Gehölze pflanzt? Steffi Krampe-Koppenhagen:“Sie können mehr unterbringen.“ Das bietet einer spezialisierten Gärtnerei die Chance, in vielen Szenen zu zeigen, welche Gestaltungsmöglichkeiten in ihren Sortimenten stecken: Teichanlagen, alpine Steinwelten, Bachlauf und Bruchsteinmauern bieten Anregungen für den eigenen Garten. An fünf Wochenenden pro Jahr ist der private Schaugarten zu besichtigen. Ansonsten ist der Besuch nach Voranmeldung und Terminabsprache möglich.
Gärtnerei „Findling“, M. Koppenhagen, Abstoß 2, 51688 Wipperfürth, Thier. Aktuelle Informationen gibt’s auf der Homepage: www.alpinepflanzen.de

Tiefdunkles Laub zeichnet die winzige Weigelie ‘Elvera’ (Midnight Wine) aus, auch ohne die rosa Blüten ein Blickfang. Geers hat diese und die etwas größere Form ‘Alexandra’ selbst gezüchtet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Tiefdunkles Laub zeichnet die winzige Weigelie ‘Elvera’ (Midnight Wine) aus, auch ohne die rosa Blüten ein Blickfang. Geers hat diese und die etwas größere Form ‘Alexandra’ selbst gezüchtet.


Foto: Golak

Porträtfoto: Monika Zybon-Biermann