Dienstag 23 Juli 2019

Andreas Kirschenlohr: Kämpfer gegen Wegwerf-Pflanzen

von  Monika Zybon-Biermann

Qualitätszucht braucht länger, kostet mehr

Andreas KirschenlohrAndreas Kirschenlohr liebt besondere Stauden und die Abwechslung. Also ist er ständig auf der Jagd nach Neuheiten. Die gefallen ihm vor allem, wenn sie nicht nur besonders schön, sondern auch robust und von unverwüstlicher Gesundheit sind. Für so viel Vollkommenheit greift der Junior der renommierten Staudengärtnerei Kirschenlohr in Speyer gern mal tiefer ins Portemonnaie. Was dem Seniorchef,seinem Vater, der die ökonomischen Grundlagen im Auge behalte, gelegentlich Sorgen bereite, gestand der junge Gärtnermeister während seines Vortrags über "Begeisternde Staudenneuheiten."

 

Dass der Wagemut nicht unbegründet ist, zeigt er in einer Bilderschau mit 65 Arten und Sorten: nie gesehene Blütenformen und -farben sind da zu sehen, so der weiß-blauer Eisenhut Aconitum carmichaelii 'Cloudy', die kompakte, tiefdunkle Silberkerze Actaea (früher Cimicifuga) 'Queen of Sheba', oder die inzwischen immer beliebter werdende Baptisia in einer ausgefallenen neuen Farbstellung - schokobraun und hellgelb - mit Namen 'Chocolate-Chip'. Alle von ihm empfohlenen und angebotenen Sorten hätten sich bereits bewährt, versichert der Speyerer Staudenspezialist. Dass Gartenbesitzer beim voreiligen Kauf unbekannter Neuheiten viel Geld verschwenden können, verschweigt er nicht. Eine Flut neuer Züchtungen werde auf den Markt geworfen, dekorative Gewächshaus-Produktion, die schon den ersten Winter nicht überlebe. Auch die Sortensichtung sei nicht immer hilfreich, weil zu schnell Neues herangezogen werde. Das führe dazu, dass, wenn sich nach Jahren der Beobachtung eine Pflanze als empfehlenswert herausgestellt habe, die Sorte möglicherweise schon wieder vom Markt verschwunden sei. Das "Sorten-Karussell" drehe sich immer schneller, nur um permanent Neues absetzen zu können. Bei der Frage, ob eine Staude beim Kunden ankommt, spiele sogar der Name eine Rolle. Es habe mal eine 'Ölpumpe' geben, eine durchaus gute Züchtung, "aber die hat natürlich keiner gekauft," schmunzelte der Referent. Da klingt das französische 'Rousseur Enchantée' (Taches de Rousseur sind Sommersprossen) viel charmanter. So heißt eine kleine Taglilie, die in der Tat viele rötliche Pünktchen auf ihren Blüten hat.

Dass die Gesetze modernen Marketings bei dem Familienbetrieb in der alten Bischofsstadt nicht wichtiger sind als gärtnerische Sorgfalt und solides Handwerk, hat sich bei den Staudenfreunden längst herumgesprochen. Deshalb hält Andreas Kirschenlohr nicht nur Vorträge bei der GdS, wo er "Eulen nach Athen trägt", sondern auch bei anderen Gartenliebhabern. Die Regionalgruppe Kurpfalz orderte in Speyer einen großen Teil der für ihr Projekt bei der Landesgartenschau in Landau benötigten Stauden.

Bei Kirschenlohrs Vortrag vor der GdS Dortmund entschlossen sich viele Mitglieder, ein Gleiches für den eigenen Garten zu tun. In etlichen Gärten des Ruhrgebietes erblüht daher die eine oder andere Rarität aus Rheinland-Pfalz.

Foto: Monika Zybon-Biermann