Montag 9 Dezember 2019

Staudengärtner-Legende Dr. Simon starb mit 90

von  Monika Zybon-Biermann

Viel Prominenz der grünen Branche war schon bei den Staudenfreunden in Dortmund zu Gast. Einer, der ein eigenes Kapitel in der Geschichte der deutschen Gartenkultur des 20. Jahrhunderts geschrieben hat, ist Dr. Hans Simon. Er starb Ende Oktober 2016 im Alter von 90 Jahren. Fünf Jahre zuvor besuchte er die Westfalenmetropole. Die Vortragssaison 2011/2012 begann daher mit einem Paukenschlag: Der damals 85jährige Dr. Simon hatte zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer in das schulbiologische Zentrum des Botanischen Gartens gelockt. Der Seniorchef des eigenen Unternehmens, der Sortiments- und Versuchsgärtnerei in Marktheidenfeld strafte alle Vorurteile gegenüber Hochbetagten Lügen und überwältigte mit seiner Fülle an Wissen und ungebrochener Energie.

Dr. Simon: eine Gärtner-Legende"Sinnvolle Pflanzenverwendung mit Kenntnis der Herkunft und der Naturstandorte" hieß das Thema -  nach eigenem Bekunden des Diplomgärtners "so etwas wie ein Lebensthema" der eigenen Arbeit. Wichtiger Grundsatz in einer Pflanzung sei die Gliederung nach Jahreszeiten, damit immer etwas blüht, so das Bekenntnis des Autors zahlreicher Sachbücher und Mitherausgeber der wichtigen Publikation "Freiland-Schmuckstauden".

Sein Rezept: erst mal Leitpflanzen wählen

Was riet die lebende Legende den Staudenfreunden beim Besuch in der Westfalenmetropole? Wenn es um Gestaltung geht, erst mal die Leitpflanzen auswählen! Nein nicht vier, eher sollten es sieben sein, wenn getreu Foersters Motto durchgeblüht werden soll. Was eignet sich? Je nach Saison ganz unterschiedliche Arten, z, B, für den Winter der italienische Aronstab mit seinen großen, auffallend weiß gezeichneten Blättern. Sogar kleine Pflanzen wie Schneeglöckchen kommen dafür in Frage, wenn sie im Spätwinter und Vorfrühling in Massen auftreten und so große Flächen bestimmen. Auf diese Weise können selbst in dieser sonst als kahl und freudlos verleumdeten Jahreszeit Gärten schöne Bilder bieten.

Der gelernte Gärtner studierte Gartenbau an der TU München-Weihenstephan, promovierte in Samenbau und Betriebswirtschaft und widmete sich neben dem eigenen Unternehmen auch vielen ehrenamtlichen Aufgaben. Er war zeitweilig Mitglied im Bundesvorstand des Bundes deutscher Staudengärtner (BdS) und des Zentralverbandes Gartenbau(ZVG) und Präsident der Internationalen Staudenunion (ISU).

Bei Bundesgartenschauen fungierte er als Berater und trug sein Wissen sowohl in Vorträgen als auch in Büchern und Fachzeitschriften weiter. Für seine Verdienste erhielt er zahlreiche Auszeichnungen: Neben den Goldenen Ehrennadeln des ZVG und des BdS auch die höchste BdS-Auszeichnung, den Karl-Foerster-Ring.



Foto: Monika Zybon-Biermann