Montag 25 September 2017

Gerhild Diamant bei den Staudenfreunden in Dortmund

Gerhild Diamant„Ach, ich wollte nur mal so…“  Unter diesem Titel einer Skulptur ihrer Freundin begann Gerhild Diamant 2010 mit der Aussaat von Ritterspornen, die sie als Saatgut von verschiedenen Spendern erhalten hatte. Aus Anlass der Kulturhauptstadt Europas – Ruhrgebiet  hatte sie damals einen Aufruf an die Bevölkerung des ehemaligen ‚Kohlenpotts‘ gestartet, Samen von Ritterspornen zu sammeln und diese ihr zuzuschicken. In Duisburg wurden sie dann ausgesät und beobachtet, wie sich die Pflanzen unter den Boden- und Klimaverhältnissen am Niederrhein entwickelten. Vielleicht würden sie ja den Grundstock zu einer neuen Gartenkultur  dieser altehrwürdigen Gartenpflanze bilden?

Wenig bekannte Schlingpflanzen selbst für kleine Stadtgärten

Pflanzen mit Migrationshintergrund gibt es in Europa inzwischen jede Menge. Viele sind ganz legal eingewandert, importiert als Gartendeko oder Lieferant für Essbares. Einige sind illegal gekommen, haben ungehemmten Ausbreitungsdrang entwickelt, sind gar zum „Neophyten“ mutiert. Andere bleiben brav und integrieren sich. Zu den Letzteren gehören zwei sommergrüne Schlingpflanzen aus Ostasien, die nicht nur nett aussehen, sondern auch leckere Früchte liefern: Es sind wilde Kiwi und „Schokoladenwein“. Im Dortmunder Nordwesten sind beide in einem Hausgarten zu finden.

Streicheln ist PflichtLeberblümchen, botanisch Hepatica, sind wahre Juwelen der botanischen Schatzkiste. Die schon seit vielen Jahrhunderten als Zier- und Heilpflanze kultivierte Wildart, inzwischen in Deutschland streng geschützt, wird seit den letzten drei Jahrzehnten verstärkt züchterisch bearbeitet. Die "allerneuesten" Kultivare präsentierte "Mr. Hepatica" persönlich, Andreas Händel aus dem brandenburgischen Ketzin an der Havel den Dortmunder Staudenfreunden. Händel ist neben Jürgen Peters aus Uetersen/Schleswig-Holstein gegenwärtig der bekannteste deutsche Züchter. Seinen Spitznamen hat er sich auf seinen zahlreichen Reisen nach Großbritannien erworben.

Natürliche Hepaticavorkommen gibt es mit großen Verbreitungslücken in Europa, in Nordamerika und in Asien. In Europa sind Hepatica nobilis und Hepatica transsylvanica zu finden, wobei für H. nobilis der Rhein die Westgrenze bildet; im Südwesten existieren Bestände bis zu den Pyrenäen. In Nord-Süd-Richtung ist H. nobilis von Norwegen bis Mittelitalien auffindbar; die mittelitalienischen Exemplare weisen ganz dunkelgrüne und harte Blätter auf. Für H. transsylvanica ist Siebenbürgen in Rumänien die Heimat, in Ungarn ist die Art ausgestorben.

Zwei Spezialisten stellten Gehölze vor, die zu Stauden passen

Steffi Koppenhagen und Herman GeersWenn Staudenfreunde sich mit Holzgewächsen beschäftigen, müssen es besondere sein. Dementsprechend ging es beim April-Vortrag 2015 der Dortmunder Staudenfreunde um „Kleine Gehölze für alle Gärten.“ Was die Referenten, Herman Geers aus dem niederländischen Boskoop und Steffi Krampe-Koppenhagen (Bild links) aus Wipperfürth vorstellten, waren keine künstlich kleingehaltenen Bonsais. Lebende Beispiele in Töpfen und die Bilder zeigten Kultivare, deren bescheidenes Wachstum sie selbst für beengte Verhältnisse geeignet macht. Und das, ohne viel an ihnen herumschneiden zu müssen.

Kaum zu glauben, aber es gibt Buchen, Eichen und Tannen, die ein Leben auf den paar Quadratmetern eines Vorgartens oder sogar im Kübel verbringen können. Mutationen, ob als Sämling entstanden oder als „Hexenbesen“ (Knospenmutation) machen das möglich. Dabei hat die Natur nicht nur Zwerge, sondern auch andere Erscheinungen hervorgebracht, die sich mit wenig Platz begnügen: schmale Hänge- und Trauerformen oder Sträucher, die ganz flach über den Boden kriechen. Sie alle lassen sich gut mit Stauden kombinieren und bilden auf Grund ihrer ganzjährig vorhandenen Struktur das architektonische Gerüst des Gartens.

Pflanzen von der Südhalbkugel landen in unseren Gärten

Foto Sven NürnbergerSven Nürnberger bereiste 2007 die Falkland Inseln, ein Archipel von ca. 700 kleineren und zwei Hauptinseln. In Begleitung von Ursula McHardy, bei der er gelernt und die im Palmengarten in Frankfurt ein Alpinum angelegt hatte, erforschten die beiden die Flora an ihren Standorten, immer auf der Suche nach Pflanzen, die auch in unseren Gärten gedeihen könnten. Von dort und von anderen Reisen brachte er auch Bilder mit, die uns einen Einblick in diese ferne Welt vermittelt haben.

Christian Kreß sprach über „Russische Staudenphloxe“

Christian Kreß„Bilder einer Ausstellung“ betitelte Christian Kreß, als Musikliebhaber bekannter Gärtner, seinen Vortrag bei den Dortmunder Staudenfreunden. Es ging nicht um Baba Jaga oder das große Tor von Kiew, wie in Mussorgskis berühmter gleichnamiger Programmmusik, sondern um Staudenphloxe in Russland. Dort wird die Flammenblume nicht als altmodische, zickige, krankheitsanfällige Bauerngartenbewohnerin eingestuft. Im Gegenteil: sie ist russische Nationalblume. Überall ist sie zu sehen, in Hausgärten aller Größen, in der Stadt und auf dem Land, in historischen Parks und modernen Grünanlagen. Alljährlich finden Schauen statt, auf denen neben historischen Sorten Neuheiten vorgestellt und prämiert werden. Fotos einer solchen Ausstellung – entstanden im Botanischen Garten von St. Petersburg – präsentierte Kreß den Staudenfreunden und Gästen bei seinem vierten Besuch in der Westfalenmetropole.

Jim Almond bewies: Alpine gibt's für jeden Garten

Was ist zu tun, damit Pflanzen des Hochgebirges in Gärten des Flachlandes gedeihen? Ein britischer Spezialist für dieses Thema, Jim Almond (im Bild links), versprach 2014 in seinem Vortrag „Alpine für jeden Garten“ bei den Dortmunder Staudenfreunden das Rezept dazu. Almond ist nicht nur Mitglied der Rockgarden-Society (Steingarten-Gesellschaft), sondern gemeinsam mit Kew Gardens auch Hüter der Nationalen Sammlung von Juno-Iris.

Alpine Pflanzen im Flachland zu kultivieren, scheint vielen Gartenliebhabern eine schwierige Aufgabe zu sein. Immerhin sind die klimatischen Bedingungen im Mittelgebirge oder leicht hügeligen Land nicht mit den Konditionen in Höhen über 1000 Meter vergleichbar..
Was zeichnet die als heikel eingestuften Gewächse der Berge aus? Sie ertragen starke Strahlung, nährstoffarme Böden und meterdicke Schneedecken im langen Winter. Letztere schützen allerdings  vor zu viel Frost, sodass manche Arten hierzulande bei Kahlfrost an ihre Grenzen stoßen. Und: es gibt im Gebirge auch Schattenlagen – an den Nordhängen beispielsweise – sodass manche Arten im lichten Schatten bzw. Halbschatten zurechtkommen. Pflanzen am Naturstandort führten in das Thema ein. Almond zeigte drei Beispiele mit unterschiedlichen Ansprüchen – den Frühlings-Enzian Gentiana verna, die Frühlings-Küchenschelle Pulsatilla vernalis und den Gletscher-Hahnenfuß Ranunculus glacialis.

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