Dienstag 22 Oktober 2019

Bewusste Wahl und richtige Pflege für langlebige Gehölze

Was wäre ein Staudengarten ohne Gehölze? Unvollständig wie ein Haus ohne Wände - denn es fehlt das bleibende Gerüst. Wie schafft man es, den grünen Rahmen, die lebendige Architektur dauerhaft gut in Form zu halten? Ruth Müller, GdS-Mitglied, Rosenfreundin und Baumschulgärtnerin, erläutert in ihrem Vortrag "Gehölzschnitt - aber richtig" die Grundregeln für den Umgang mit Baum und Strauch. Dabei stellte sie das Motto des preußischen Gartenkünstlers Peter Josef Lenné "Nichts gedeiht ohne Pflege und die vortrefflichsten Dinge verlieren durch unzweckmäßige Behandlung ihren Wert" vorne an.

Im RosendschungelDie Hundertblättrige, die Weltrose und eine falsche Kriegsheldin

Der Sommer startet im Garten immer mit einem Paukenschlag: Neben den Rosen blühen im Juni andere Sträucher und Bäume. Ausdauernde Stauden, dazu ein- und zweijähriges Kraut beginnen, ihre Farbfeuer anzuzünden.  Dass der Himmel im Sommer 2016 das Gießen so  großzügig übernahm, bekommt leider auch unwillkommenen Gartengästen wie Brennessel, Giersch und Zaunwinde. So wie in diesem beinahe zum Dschungel mutierten Stückchen Grün in Dortmund-Bodelschwingh.

So bringt man Farbe ins Dunkel - mit neuen Stauden und etwas Unkraut

Michael MünchDoch, das erklärt Michael Münch, Gärtner und Fachautor, gleich zu Beginn seines Vortrags über Stauden für den Schatten, entgegen landläufiger Meinung sei bei dem wenig bekannten Thema auch  Bekanntes und sogar Banales vorzustellen. Die Verblüffung ´der Zuhörer, der Dortmunder Staudenfreunde, legt sich schnell. Zwar taucht mancher bekannte Gattungsname auf, aber das ist alles. Die dazugehörigen Arten und Sorten, die der gebürtige Schwabe in Wort und Bild schildert, sind nämlich nicht in jedem Gartencenter zu finden. Manches ist erst seit kurzem eingeführt und nur bei Spezialisten erhältlich, manches vertraut. Neu für viele "Traditionsgärtner", dass auch das eine oder andere wilde Gewächs, vom Referenten unverblümt "Unkraut" genannt, mit dabei ist. Links unten blüht Doronicum. Das ist eine attraktive Frühblüherin, die sich mit schattigeren Plätzen zufrieden gibt.

Praktische Tipps von Gärtnermeister Göbbeler

Josef GöbblerWas ist zu tun, wenn ein neues Staudenbeet angelegt oder ein altes, außer Form geratenes renoviert werden soll? Josef Göbbeler, früher Gärtnermeister bei der Stadt Herne, mit 82 noch  Ausbilder und Prüfer des Gärtner-Nachwuchses sowie Referent vor Fachpublikum, rät vor allem eins: als erstes den Boden gründlich bearbeiten, lockern und alle Wurzelunkräuter entfernen! Das sei die wichtigste Voraussetzung, damit die Pflanzung gelingt. Von seinen in einem Vortrag vermittelten, praxisnahen Tipps profitierten auch  die Dortmunder Staudenfreunde.

Wahrlich keine gute Nachricht für „Lazy Gardener“: Zunächst muss alles raus – überalterte und unansehnlich gewordene Stauden werden mit der Grabegabel herausgenommen und geteilt. Die dabei entstehenden Wunden im Wurzelbereich sollten mit Holzkohlepulver überpudert werden, um Fäulnis zu vermeiden. Aus dem tiefgründig durchgegrabenen Boden werden zunächst alle Wurzeln gefürchteter Dauer-Mitbewohner wie Giersch oder Zaunwinde entfernt. Neuerdings gesellt sich zu den altbekannten Schreckgespenstern auch noch die Sumpfkresse Rorippa sylvestris, ein ausläufertreibender Neophyt mit 75cm tiefen Wurzeln. Der Gärtnermeister warnt: „Sammeln Sie jedes kleine Wurzelstückchen heraus, sonst haben Sie im Jahr darauf wieder eine Kolonie“. Alternative Bekämpfungsmethoden sind Herbizide oder die giftfreie Abdeckmethode. Bevor es an die Neuanpflanzung geht, sollte man sich auch die Frage nach der richtigen Bodenstruktur stellen. Im Ruhrgebiet sind schwere, undurchlässige Böden häufig. Dann empfiehlt sich eine Zugabe von Sand oder Splitt. In leichterem Boden können Wurzeln besser Fuß fassen.

Hermann Hunfeld informierte über wichtige Insektenfamilie

Hermann HunfeldWie kommt ein Fachmann für Elektrotechnik in der Stahlindustrie dazu, Experte für Wildbienen zu werden und sich dem Naturschutz zu widmen? Vielleicht liegt es auch daran, dass der Dortmunder Diplom-Ingenieur Hermann Hunfeld (Bild) sein Leben als Kind einer Bauernfamilie im ländlichen Emsland begann. 2015 verriet er den Dortmunder Staudenfreunden, was Wildbienen sind, was sie leisten und was getan werden kann, um sie vor der Vernichtung zu retten.

Ohne frühe Prachtblüten litten Hummeln bei kühlem Wetter Hunger

Michael Stork - ehemaliger Leiter der Schulbiologie

Sie sind oft immergrün, blühen je nach Sorte – davon gibt es laut Schätzung ca. 30.000 – vom zeitigen bis zum späten Frühjahr und leiden als exotische Schönheiten immer noch unter Vorurteilen: Was es mit Rhododendren wirklich auf sich hat, machte der frühere Leiter des Dortmunder Schulbiologischen Zentrums, GdS-Mitglied Michael Stork, (Foto links: privat) in seinem Vortrag „Rhododendron und Hummeln“ deutlich.

Rhododendron im  Rombergpark:

(aus Sicht der Hummeln)

Hummel bei der PollenernteZur Bundesgartenschau 1959 und als "Überbleibsel" der Hallengartenschauen in den folgenden Jahren wurden im Botanischen Garten Rombergpark Tausende von Rhododendren und Azaleen gepflanzt. Viele dieser Sträucher sind im Laufe der Zeit zu stattlichen Exemplaren herangewachsen. Vor allem im Rhododendronwald unter hohen Eichen und Hainbuchen blühen die Büsche zurzeit in voller Pracht zur Freude vieler Besucher. Auch bei noch so großer Begeisterung über den Anblick der riesigen Rhododendren: "Erfunden" haben diese Sträucher ihre großen Blüten und leuchtenden Blütenfarben nicht für uns Menschen sondern für blütenbesuchende Insekten, die hierdurch angelockt werden sollen.

Das Bild zeigt einen der sympathischen Sechsbeiner, die im Frühjahr vom opulenten Nahrungsangebot der Ziersträucher profitieren. Die Hummeln packen die Staubgefäße mit den Beinen und pressen durch hörbare Vibrationsstöße mit ihrer Flügelmuskulatur den wertvollen Pollen (Hummelbrot) heraus.