Dienstag 11 Dezember 2018

Winterschmuck auf der Fensterbank

von  Monika Zybon-Biermann

Alpenveilchen – Schönheiten im Topf und Schattengarten

Alpenveilchen 329pxAlpenveilchen gehören seit Urgroßmutters Zeiten im Winter zum Inventar der Fensterbänke. Die Eleganz ihrer seidigen, leuchtend gefärbten Blütenblätter liegt auch an der ungewöhnlichen Form: Sie sind zurückgeschlagen. Am leicht nach unten gekrümmten Stiel hängend, erscheinen sie hoch aufgerichtet; das Innere mit Narbe und Staubgefäßen weist nach unten. Eine Zeitlang waren sie aus der Mode gekommen, aber jetzt werden sie wieder entdeckt – und es gibt neue Sorten mit überraschenden Details: gerüschte oder gefranste Ränder oder gefüllte Blüten verleihen dem Topfklassiker ungewohntes Aussehen.

Die Stars der (möglichst kühlen) Fensterbänke gehören einer Art an – das ist Cyclamen persicum. Heute finden sie ihre Heimat auch gern in einem nicht zu warmen Wintergarten und können dort, vorausgesetzt, man pflegt sie richtig, lange leben. Bis zu 20 Jahre hält eine Knolle durch, wenn die Bedingungen stimmen. Ihr Schmuck ist nicht nur die phantastische Blüte, die bis zu acht Monate im Jahr andauern kann, sondern auch das herzförmige, dunkelgrüne Blattwerk mit silbrigem Muster. Ihre Ansprüche sind nicht allzu hoch geschraubt: der Boden sollte kieshaltig bis lehmig, humusreich und schwach alkalisch, der Standort frostgeschützt, aber nicht allzu heiß sein. Die Pflanzen bevorzugen absonnige bzw. halbschattige Lagen. Im Sommer sollte man der dann blütenlosen Pflanze eine Erholungspause gönnen. Wie macht man das? Am besten gräbt man den Topf unter einem Baum oder Strauch im Garten ein. Ach ja, und nicht vergessen: Staunässe ist ihr Tod.

Anders, als die Herkunftsbezeichnung im deutschen Namen vermuten lässt, sind nicht die Alpen die Heimat des Zimmer-Alpenveilchens, sondern  der östliche Mittelmeerraum, also die Gebirge Kleinasiens, Südosteuropas sowie des Maghreb. Übrigens führt auch der zweite Teil des Namens, die Verwandtschaft betreffend, in die Irre: Die Gattung Cyclamen gehört nicht zu den Veilchen, sondern zu den Primelgewächsen. Und sicher haben aufmerksame LeserInnen auch bereits gemerkt, dass selbst im botanischen Namen nicht alles richtig ist. Cyclamen persicum kommt gar nicht aus Persien...

Cyclamen coum

Im Frühjahr blüht das aus Südosteuropa, dem Kaukasus, Iran und Russland stammende Frühlings-Alpenveilchen Cyclamen coum. Wie die verwandten Arten auch liebt es Standorte in lichten Wäldern und am Gehölzrand. Sind die Bedingungen gut, vermehrt es sich und bildet große Bestände.

In der Tat gibt es eine einzige Art der für Menschen und viele Tiere giftigen Sippe, die wirklich in den Alpen daheim ist und dort sogar recht häufig vorkommt. Es ist das wilde Alpenveilchen Cyclamen purpurascens. Insgesamt gehören 22 Arten zu den Stauden mit ihren typischen, scheibenförmigen Knollen.. Einige von ihnen eignen sich, da bei uns völlig winterhart, besonders für schattige Gartenplätze am Gehölzrand und absonnige Lagen an der Nordseite von Häusern. Dazu gehören u.a. das frühlingsblühende Vorfrühlings- (Cyclamen coum) und das im Herbst blühende Efeublättrige Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium). Die Blüten sind etwas kleiner als die der Topfpflanzen, aber ähnlich in der Form.

Cyclamen hederifolium

Im Herbst, genauer gesagt, ab August geht das efeublättrige Alpenveilchen Cyclamen hederifolium in Blüte. Sein früherer botanischer Name Cyclamen neapolitanum weist darauf hin, woher es kommt – aus dem mediterranen Raum. Die rosa Sorte heißt übrigens „Rosen-“, die weiße  Sorte „Perlenteppich“. Die Teppiche gibt es immer dann, wenn die Alpenveilchen gute Voraussetzungen vorfinden.

Cyclamen wurden von europäischen Gärtnern im frühen 17. Jahrhundert als Zierpflanzen entdeckt, waren aber noch im 18. Jahrhundert sehr selten. Erst im 19. Jahrhundert begann ihre steile Karriere als Zimmerschmuck in den Wintermonaten; ab ca. 1860 bereits begann man damit, systematisch Sorten zu züchten.