Montag 25 September 2017

Beispiel Ludwigshafen: Phantasie und Knowhow ermöglichen Metamorphose

Harald SauerTraumgärten, die man kostenlos jederzeit in der eigenen Stadt besuchen kann? So etwas gibt es in Ludwigshafen. Vor allem einem Mann, dem Chefgärtner der 165.000-Einwohner-Gemeinde am Rhein, ist das dortige Blühwunder zu verdanken: Harald Sauer, verantwortlich für das Grün in Ebertpark und Hauptfriedhof. Er berichtete jetzt auf Einladung der Dortmunder Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS) im Bildungsforum Schule, Natur und Umwelt des Botanischen Gartens Rombergpark zum Thema „Die erstaunliche Verwandlung öffentlicher Parks in Ludwigshafen durch unkonventionelle Stauden-, Gehölz- und Wechselflorpflanzungen.“

An der Ruhr sollen Gärten über der Stadt die Regel werden

LerchenspornDer City droht der Hitze-Kollaps, die Luft ist zum Schneiden dick und die Kanalisation schafft es nach Unwettern kaum noch, die Wassermassen aufzunehmen. Die Politik ist sich einig: es muss etwas geschehen, damit die Stadt lebenswert bleibt. Wichtiges Rezept: Mehr Grün muss her, das die Luft verbessert, Temperatur reguliert und Regenwasser aufnimmt. Zusätzlicher Platz bietet sich auf den Flachdächern von Bürohäusern und Großwohnanlagen, auf Garagen und Supermärkten. In der dicht besiedelten Metropolregion an der Ruhr will man sich jetzt gemeinsam den Folgen der Verstädterung und dem Klimawandel entgegen stellen.

Gärten unter widrigen Umständen zu erhalten, erfordert Humor und Zähigkeit

GünselIst es immer wahr, dass der Garten die Persönlichkeit des Besitzers widerspiegelt? Es ist auch möglich, dass natürliche Verhältnisse das Gestalten diktieren. Wenn das Gelände zumeist im Schatten eines Düsterwaldes liegt, dessen gewaltige Wipfel der Sonne nach Süden und Westen den Weg abschneiden, was dann? Ein Schattengärtchen mit Stauden? Illusorisch – die Herrscher in Baumgestalt sind Acer pseudoplatanus, der Bergahorn und Fraxinus excelsior, die gewöhnliche Esche, zwei Forstpioniere mit dem Ausbreitungsdrang einer Okkupations-Armee. Den beweisen sie alljährlich mit einer Samen-Überproduktion. Konsequenz aller Umstände einschließlich des unentwegten Bäume-Ausreißens: Hier überleben nur die Stärksten, die Wuchernden mit Bodendecker-Qualität, die fleißigen Saatgut-Produzenten, die fest verwurzelten Langlebigen, die selbst Giersch & Co in ihre Schranken weisen.

Bedrohlicher Artenrückgang und was jeder dagegen tun kann

TagpfauenaugeArtenrückgang bei Insekten? Für den einen mag das eine Schreckensnachricht sein, für den anderen klingt das keineswegs so bedrohlich: Sind es nicht vor allem Insekten, die an unseren Nutz- und Zierpflanzen knabbern, sie schädigen, sogar Ernten beeinträchtigen können?  Dass es um die Gesundheit der für uns nützlichen Honigbienen nicht gut bestellt ist, hat sich aber herumgesprochen. Sie sind bisher noch Hauptbestäuber von 80 % unserer Nutzpflanzen. Außer Getreide und Nüssen, deren Pollen vom Wind verbreitet werden, sind alle Obst- und Gemüsearten auf die Unterstützung fliegender Sechsbeiner angewiesen. Ernten würden sonst ganz oder zumindest viel spärlicher ausfallen.