Monday, March 30, 2020

So wird es farbig im Schatten

Written by  Monika Zybon-Biermann

Peter Janke überraschte Dortmunder mit neuen Ideen

Wenn die Dortmunder Rosen- und Staudenfreunde gemeinsam zu einem Vortrag einladen, steht in der Regel nicht nur ein besonderes Thema im Vordergrund; dann erscheint außerdem meist ein populärer und kompetenter Referent. So war es auch am Samstag, 23. November, als der bekannte Gartengestalter und Buchautor Peter Janke sich (nicht zum ersten Mal) im Botanischen Garten Rombergpark einfand – mit einem besonderen Thema im Gepäck: „Farbiger Blattschmuck im Schatten.“ Die Aufgabe, einen vorzeigbaren Garten für einem Ort mit wenig oder ganz ohne direkte Sonne zu entwerfen, bringt viele ins Grübeln, die sich einer solchen Herausforderung gegenüber sehen. Kein Wunder, dass die Stühle im Bildungszentrum knapp wurden.

„Da wächst nichts“ ist nur ein Vorurteil

Weil das Problem nicht einfach lösbar ist, bekommt Janke von Kundinnen und Kunden einen Satz oft zu hören, wenn es um die Schattenseiten ihres Grundstücks geht. Der heißt: „Da wächst nichts!“ Das sei ein Vorurteil, betont der Hildener.  Europa sei seit Jahrtausenden hauptsächlich mit Wald bestanden gewesen. Daher sei aus ökologischer Sicht klar, dass sich hierzulande nicht nur Einjährige und Stauden, sondern auch kleinere Bäume und Sträucher entwickelt haben mussten, die mit allen Formen von Schatten zurechtkommen. Das Thema sei umso wichtiger, als inzwischen für Menschen der „Platz an der Sonne“ zunehmend weniger gefragt sei. Bei seinen Kund*Innen – vielleicht schon eine Folge der Klima-Erwärmung – sei in letzter Zeit das Interesse an schattigen Sitzplätzen gestiegen.

Gelbblaettriges Mutterkraut

Gelbblättriges Mutterkraut kommt auch an halbschattigen Plätzen zurecht 
und schmückt mit seinem Blattwerk selbst ohne seine Blüten.

Die unterschiedlichen Lebensbereiche im Hinblick auf Art und Dauer des Lichteinfalls seien unbedingt zu berücksichtigen, wenn man erfolgreich gärtnern möchte: So gebe es Vollschatten – ohne Sonneneinstrahlung, gleichbleibenden Halbschatten durch diffuses Licht, z. B. unter einer lichtdurchlässigen Baumkrone. Außerdem finde man Halbschatten mit Morgensonne oder mit Abendsonne. Eine besondere Herausforderung stelle das Streiflicht dar, eine neue Lichtsituation, die vor allem im eng bebauten urbanen Bereich auftrete, wenn moderne Gebäudesilhouetten scharfe Schatten werfen. Dann gehe die Sonne mal an, dann wieder aus und erneut an – so als spiele jemand mit einem Lichtschalter. Rasen versage dort sogar bei Nachmittags- und Abendsonne, weil der dauernde Lichtwechsel zu viel Stress bedeute. Wer angesichts der vielen Möglichkeiten die richtigen Entscheidungen treffen will, sollte sich auskennen. Jankes Rat: „Sammeln Sie so viele Informationen wie möglich.“

Standort richtig wählen: right plant, right place

Der Standort hat durchaus Konsequenzen, wenn es um die Auswahl der Pflanzen geht. Dass Janke als Schüler der englischen Gärtnerinnen-Legende Beth Chatto Lebensbereiche zur Grundlage der Pflanzenauswahl macht, ist kein Wunder. Schließlich gehörte die 2018 im Alter von  94  Jahren Verstorbene zu den Pionierinnen der standortgerechten Pflanzenauswahl. Ihre Devise war: Die richtige Pflanze am richtigen Platz – right plant, right place.

Italienischer Aronstab

Italienischer Aronstab – eine Blattschönheit im winterlichen Schattengarten, allerdings mit Vorsicht zu genießen,
vor allem, wenn er seine leuchtend roten Beeren präsentiert.
Er gehört zu den giftigsten Pflanzen Europas und ist Giftpflanze des Jahres 2019.

The right place ist auch die Grundlage für Jankes Ratschläge: Seiner Ansicht nach sollte man ein Halbschattenbeet, das Morgensonne abbekommt, mit Schattenstauden bepflanzen; dagegen seien bei Nachmittags- und Abendsonne auch Arten wählbar, die es wärmer und heller mögen. Bei der Entscheidung für Immergrüne solle man bedenken, dass sie generell mehr Ansprüche an das Licht und die Wasserversorgung stellen. Ihr Stoffwechsel sei auch im Winter, wenn laubabwerfende Spezies sich zur Ruhe begeben, noch aktiv. Außerdem verlegten viele Pflanzen, die von Natur aus im Wald oder am Gehölzrand zu Hause seien, ihre Wachstumsperiode ins Frühjahr. Da gebe es noch mehr Sonne und genug Feuchtigkeit im Boden.

Panaschiert und immergruen

Panaschiert und gleichzeitig immergrün ist diese Form der Kriechspindel, die im Winter zusätzlich leicht errötet.
Sie wächst praktisch überall, selbst im Dauerschatten.

Typisch für den Waldgarten seien Geophyten – also Pflanzen aus Zwiebeln und Knollen wie Schneeglöckchen. Sie bringen – neben frühzeitig blühenden Stauden, beispielsweise Lungenkraut – Farbe an Schattenplätze. Farben spielen für viele Menschen eine große Rolle, wenn es um ästhetische Bilder geht. Die Grundsatzfrage des Gestalters lautet daher: “Wieviel Farbe brauchen Schattengärten?“ Es sei klar, dass man dort keine Blütenfülle wie in einem sonnigen Staudenbeet erwarten könne. „Nach der Blüte,“ so betont Janke, “darf das Bild optisch nicht zusammenbrechen.“

Zig Schattierungen der Farbe Grün

Aber Grün sei auch eine Farbe und die gebe es bei in unzähligen Schattierungen, Tönungen oder sogar Mustern: dunkel- und hellgrün, gelbliche Töne (Aurea-Formen), nicht zu vergessen geflecktes, gestreiftes oder marmoriertes Blattwerk. „Früher habe ich  Variegata-Sorten total abgelehnt,“ gesteht der Gestalter, „ich fand das unnatürlich!“ Muster auf Blättern müssen nicht unbedingt auf Variegataformen – auch Panaschierungen genannt – zurückgehen, also das Fehlen des Pflanzengrüns Chlorophyll in einigen Bereichen des Blattwerks, sondern kann ebenso durch silbrige Zeichnungen auf dem durchgehend grünen Blatt oder farbige Blattadern entstehen, wie z. B. bei Alpenveilchen (Cyclamen), Lungenkraut, Blutampfer oder Aronstab.

 

Geflecktes Lungenkraut

Geflecktes Lungenkraut – eine rund ums Jahr vorhandene Staude des Schattengartens –
mit Blüten im Frühjahr und dann noch mit grün-silbernen Blättern geschmückt.

Neben verschiedenen Blattfärbungen und Mustern bringen auch  die unterschiedlichen Strukturen des Blattwerks Spannung in Beete – vom fein gefiederten Blattwerk der Farne, den Büscheln der Gräser bis zum exotischen Aussehen großblättrigen Stauden. Für letztere ist das feuchtigkeitsliebende Schildblatt (Darmera peltata), das sich am halbschattigen Rande des Gartenteichs wohl fühlt, ein besonders robustes und vollkommen winterhartes Beispiel.

Darmerablueten

Darmera-Blüten erscheinen im Frühling auf einem schattigen Platz am Gartenteich.

Coppicing – die Kunst des Bäume-Zähmens

Was in den letzten Jahren mehr und mehr angewendet wird, ist die Technik des Coppicing. Die Bezeichnung geht auf to cope (engl. für kappen) zurück. Gemeint ist eine Technik, Sträucher oder mittelgroße Bäume mit interessanten Blattformen regelmäßig bodennah zurückzuschneiden. Auf diese Weise lassen sie sich in Staudenbeete integrieren und beleben Pflanzkombinationen  an dunkleren Plätzen, ohne ihrerseits für zusätzliche Schattierung zu sorgen. Coppicing wird übrigens in England schon längere Zeit praktiziert – und zwar bevorzugt bei schnellwüchsigen, am spektakulärsten bei großblättrigen Arten. Diese entwickeln dann besonders dekoratives Riesen-Blattwerk.

Was lässt sich jetzt, im Winter, noch für den Garten tun, wo sich das dekorative, oft lebhaft rötlich oder gelb gefärbte Laub von Büschen und Bäumen verabschiedet hat? Der Rat des Gartengestalters ist für viele Ordnungsliebende gewöhnungsbedürftig: „Das Laub unter den Gehölzen liegenlassen.“ Dabei wird das Gartendesign „geerdet“, der Untergrund mit einbezogen. Es entstehen Bilder mit bunten Teppichen als feuriger Abschied zum Ende des Jahres.

Ehrenamtlicher Einsatz für Gartenkultur

Rosen- und Staudenfreunde leisten in Dortmund in ihren jeweiligen Regionalgruppen seit vielen Jahren ehrenamtliche Arbeit für die Gartenkultur der Westfalenmetropole. Im Winterhalbjahr stehen vor allem öffentliche Vorträge und Seminare auf dem Programm. Auch Nichtmitglieder sind jeweils willkommen. Näheres ist im Internet zu erfahren – auf www.rosenfreunde-dortmund.de und www.gds-staudenfreunde.de/regionalgruppe-dortmund.

November im Waldgarten

November im Waldgarten:
Jetzt zeigen sich die Riesenblätter der Darmera in Herbstfarben zum Abschied des Gartenjahres.




Jankes Bücher, sein HORTVS und  mehr


Vier Bücher sind bisher von Peter Janke erschienen, in denen er seine Philosophie von der standortgerechten Pflanzenverwendung anschaulich schildert und mit beeindruckenden Fotos lebendig werden lässt.
Es sind: Design mit Pflanzen, Kleine Gärten, Meine Vision wird Garten, und Der Frühlingsgarten.

In der Zeit von April bis Oktober kann der große Schaugarten (HORTVS) des Gestalters in Hilden, Hochdahler Str. 350, auch besichtigt werden – und zwar am Donnerstag und Freitag von 10 bis 17 Uhr, Samstag von 10 bis 15 Uhr.

Wer sich vorab genauer informieren möchte, kann dies auf der Homepage www.peter-janke-gartenkonzepte.de tun.



Alle Fotos Monika Zybon-Biermann