Dienstag 17 September 2019

Das Reich der Schwestern

von  Monika Zybon-Biermann

Meino Naumanns Roman über ein Ameisenvolk erschien 1992

das reich der schwesternBereits 1992 erschien ein Buch über die erstaunliche Welt der in Völkern zusammen lebenden Insekten, die Leistungen und das soziale Miteinander der kleinen Sechsbeiner, deren zunehmendes Verschwinden uns heute in Sorge stürzt. Der pensionierte Lehrer und Autor Dr. Meino Naumann schildert in seinem Erstlings-Roman „Das Reich der Schwestern“ den Kampf ums Leben und Überleben eines Ameisenvolkes. Die sowohl inhaltlich als auch sprachlich anspruchsvolle Geschichte, damals ein Außenseiterwerk, ist jetzt aktueller denn je.

Ihr Verfasser Meino Naumann (1938-2015) ist in Norden, Ostfriesland, aufgewachsen. Er studierte Germanistik, Geschichtswissenschaften und Philosophie und schrieb seine Dissertation über Eichendorff. Er arbeitete als Lehrer am Abendgymnasium in Oldenburg und machte sich nach seiner Pensionierung als Autor einen Namen.

Eher Fantasy-Epos als Bio-Lehrbuch

„Das Reich der Schwestern“ ist 1992 bei Herbig, München, erschienen. Dabei stehen der Kampf um das Terrain und die Ressourcen eines Ameisenstaates im Mittelpunkt. Das 367 Seiten starke Buch ist noch antiquarisch erhältlich. Kenntnisreich schildert Naumann die Organisation der von weiblichen Tieren bestimmten Welt staatenbildender Insekten, ihre Bedrohungen und Herausforderungen aus Ameisensicht. Dabei spielen auch Unterhaltung und Sprachkunst eine Rolle; „Das Reich der Schwestern“ ist kein trockenes Lehrbuch über die Biologie der Ameisen, sondern ein durchaus wortgewaltiges Epos mit deutlichen Fantasy-Elementen. Die Hauptdarstellerinnen, zumeist Angehörige eines rot-grauen Stammes, tragen Namen wie Ganahar, Garlit, Timkoa, Gnemo, oder Paimon. Die Art der Erzählung macht das Buch nicht nur für Erwachsene, sondern auch für größere Kinder und Jugendliche unterhaltsam, ist gleichzeitig aber auch informativ.

13 abenteuerliche Kapitel bis zum Happy End

Geographischer und gleichzeitig thematischer Start- und Mittelpunkt der Handlung ist eine Lichtung in einem großen Wald in Europa, den viele Jahrtausende schrumpfen ließen und der den unterschiedlichsten Tieren Heimat bot. Im Mittelpunkt steht ein uraltes Bauwerk, ein hoher Ameisenhügel. Die Insekten verändern sich zusammen mit den Pflanzen und den anderen Tieren. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen. Es gibt andere Verfolger, wie auch andere Partner.

In 13 Kapiteln müssen die „rot-grauen Schwestern“ und ihr geordnetes Staatswesen unterschiedliche Abenteuer bestehen und Aufgaben bewältigen.

Dabei gibt es übermächtige Feinde, Wildschweine, die den Ameisenbau zerwühlen, einen großen Wurm, feindselige Insekten, Spinnen, Vögel und sogar den Kampf gegen eine andere, größere Ameisenart, nicht zu vergessen den Hochzeitsflug der Königinnen mit den männlichen Tieren. Eine ernsthafte Bedrohung entsteht schließlich – wenig überraschend – durch den Menschen. Doch auch diese Gefahr geht vorbei. Die geplante, neue Straßentrasse wird nicht über ihre Lichtung und die Ameisenstadt hinweg gebaut.

Ein Happy End für das Reich der Schwestern – zumindest bis auf weiteres...

Blaue Ameise

Eine Inspiration aus dem "Reich der Schwestern": das Bild zeigt eine blaue Ameise.
So nannte man in Europa während der chinesischen Kulturrevolution die Arbeiter in ihren blauen Uniformen. Ameisen sind ein Sinnbild für Fleiß und Disziplin.

Coverfoto und Zeichnung: © Monika Zybon-Biermann