Donnerstag 20 September 2018

Gartenrezepte vom Moos-Papst

von  Monika Zybon-Biermann

Jan-Peter Frahm – renommierter Botaniker und Praktiker mit pfiffigen Ideen

Mit Moosen begruenenMoos im Garten? Die Idee weckt oft nur einen Wunsch: Wie werde ich das Zeug wieder los? Da werden Vernichtungs-Rezepte getauscht -  Essig, Seifenlauge, Salzwasser; besonders Entschlossene lassen sich die Tür zum Giftschrank öffnen. Dabei ließen sich dem samtigen Schattengrün viele gute Seiten abgewinnen. Einer, der wusste, was mit Moos wirklich los ist, war Dr. Jan-Peter Frahm, Professor für Bryologie (Wissenschaftlicher Name der Mooskunde) an der Uni Bonn. Im April 2011  konfrontierte der auch „Moos-Papst“ genannte Frahm in Dortmund die Gesellschaft der Staudenfreunde  mit vielfältigen, überraschenden, weitgehend unbekannten Möglichkeiten der kleinen Sporenpflanzen. Sein Vortrag hieß: „Moose im Garten - oder wie man Pflanzen mit dem Küchenmixer vermehren kann.“

Der international bekannte und renommierte Botaniker hatte nicht nur praktische Tipps für die Gartengestaltung im Gepäck; er stellte auch neue Erkenntnisse über unerwartete Qualitäten der bescheidenen Pflänzchen vor. Für seine Forschungsarbeit hatte er ungewöhnliche Wege beschritten: So konnte er durch Mooswände entlang der Autobahn nachweisen, dass Moos Feinstäube bindet und die Luft reinigt.  Er entwickelte darüber hinaus Konzepte für seinen Einsatz als lebendiges Relief auf Platten in der Stadt, an Wänden, auf Flachdächern, sogar in Innenräumen. So bescheiden die grüne Pflanzendecke daherkommt, so nützlich kann sie für gutes Klima sein.

Wozu braucht man aber den Küchenmixer? Diese Frage stellten sich die Zuhörer – wegen des Vortrag-Titels. Betrachtet man Bilder berühmter japanischer Gärten, z. B. in Kyoto, so sieht das nicht so einfach aus, als sei es nach dem simplen Rezept „man nehme...“ nachzumachen.

Moose Eine EinfuehrungUm eine schattige, möglichst nicht zu trockene Gartenecke in einen Moosgarten im bekannten und bewunderten japanischen Stil zu verwandeln, schilderte Frahm drei Möglichkeiten: erstens das Bepflanzen mit Moosstücken, zweitens das „Aussäen“  - gemeint ist das Aufbringen von zerkleinertem Moos; dabei kommt der Küchenmixer zum Einsatz.. Eigentlich geht es mit dem Säen nämlich nicht. Moose als Sporenpflanzen  bilden keine Samen aus.  Dritte Möglichkeit ist die Nutzung einer bereits vermoosten Fläche. Dort reicht es aus, alle vorhandenen Blütenpflanzen auszuziehen.

Die dritte Methode ist für Laien vermutlich die Erfolgversprechendste, weil es je nach Boden und Moosart durchaus bei der Neuansiedlung komplizierter werden kann. Die meisten Moose mögen saure, nährstoffarme Böden, die nicht zu sehr austrocknen. Da sie selbst auch Säure abgeben, können sie Stein- und Betonoberflächen durchaus schädigen.. Sie sind  auf dem Boden, abgestorbenen Hölzern und alten Baumstämmen am richtigen Platz. Aber es gibt unter den drei Hauptgruppen – Horn-, Laub- und Lebermoose – Kalk liebende und Trockenheit vertragende Arten, die auf Mauern wachsen  und eine Steinskulptur überziehen können, ohne dem Untergrund zu schaden. Es ist also auf jeden Fall ratsam, sich zu informieren, bevor man zur Tat schreitet.

Zwei Bücher helfen Laien auf die Sprünge

Der 2014 verstorbene „Moos-Papst“ kann auch nach seinem Tod dabei noch hilfreich sein, denn er hat  nicht nur eine lange Reihe wissenschaftlicher Arbeiten, sondern auch zwei populäre Bücher zum Thema hinterlassen. Es sind „Moose – eine Einführung“ (ISBN 3-936055-53-X) und „Mit Moosen begrünen – eine Anleitung zur Kultur“ (ISBN 978-3-936055-56-6). Beide sind im Weissdorn-Verlag Jena erschienen und geben einen Überblick über die ca. 15 000  Moosarten der Erde, ihre Bedürfnisse und Lebensräume. Neben den botanischen Grundlagen und Praxistipps gibt es auch einen Einblick in die Geschichte. Schließlich begann man in Japan bereits im 16. Jahrhundert mit der Anlage von Moosgärten. Um den Vorbildern aus Fernost nachzueifern, braucht es nicht unbedingt einen Palast oder buddhistischen Tempel; ein kleiner städtischer Innenhof tut es auch. Oder auf dem Balkon ein paar Schalen mit Bonsaibäumchen, denen Moospolster zu Füßen liegen. Wer keinen Balkon hat, könnte es mit einem Terrarium oder Aquarium als Zimmergarten versuche. Kaum Licht vorhanden? Den Moosen macht es nichts. Schließlich ist die Schattenwelt ihr Lebensraum.

Zartes Moos schmeckt Schnecken nicht

Da gibt es noch ein weit verbreittes Vorurteil, die allseits verhassten Schnecken betreffend. Sie sollen sich in Moospolstern besonders wohlfühlen, wird behauptet und sich das weiche Grün bevorzugt schmecken lassen. Jan-Peter Frahm wusste es besser: Moose besitzen antibiotisch wirkende Inhaltsstoffe, die Fraßfeinde aller Art, von der Schnecke bis zur Mikrobe fernhalten. Ohne diesen Abwehrmechanismus hätten die zarten Pflänzchen wohl kaum Jahrmillionen überlebt.