Montag 25 September 2017

Farbige Gärten – für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge

von  Monika Zybon-Biermann

Bedrohlicher Artenrückgang und was jeder dagegen tun kann

TagpfauenaugeArtenrückgang bei Insekten? Für den einen mag das eine Schreckensnachricht sein, für den anderen klingt das keineswegs so bedrohlich: Sind es nicht vor allem Insekten, die an unseren Nutz- und Zierpflanzen knabbern, sie schädigen, sogar Ernten beeinträchtigen können?  Dass es um die Gesundheit der für uns nützlichen Honigbienen nicht gut bestellt ist, hat sich aber herumgesprochen. Sie sind bisher noch Hauptbestäuber von 80 % unserer Nutzpflanzen. Außer Getreide und Nüssen, deren Pollen vom Wind verbreitet werden, sind alle Obst- und Gemüsearten auf die Unterstützung fliegender Sechsbeiner angewiesen. Ernten würden sonst ganz oder zumindest viel spärlicher ausfallen.

Rosa mundi mit Biene

Neben der Honigbiene übernehmen Wildbienen und Hummeln, Schmetterlinge oder auch Motten diese Aufgabe. Wenn sie zunehmend ausfallen, was dann? Schon seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gibt es in der chinesischen Provinz Sichuan mit großflächigem Obstanbau keine Bienen mehr. Menschen bestäuben dort mit der Hand blühende Obstbäume, eine schlecht bezahlte Arbeit. Man stelle sich so etwas in Europa vor  -  der frische Apfel, eine Handvoll Kirschen würden für Durchschnittsverdiener zum kaum bezahlbaren Luxus. Auch Blüten von Zierpflanzen bieten den fleißigen Immen Nahrung, wie im oben stehenden Foto deutlich wird – hier liefert eine Rosa 'Mundi' die Bienen-Mahlzeit.

Schockierendes Phänomen: Über Nacht verschwindet ganzes Volk

Besonders schockierend für betroffene Imker ist ein Phänomen, das vor allem zu Anfang des neuen Jahrtausends hauptsächlich in den USA, aber auch weniger dramatisch in Europa gemeldet wurde: das plötzliche, komplette Verschwinden aller Arbeiterinnen eines Stockes; lediglich Königinnen, Brut und junge Bienen waren noch übrig. Der damit verbundene völlige Zusammenbruch des Volkes wurde „Colony Collapse Disorder“ genannt. Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Erste Fälle wurden allerdings bereits zu Ende des 19. Jahrhunderts gemeldet. Allgemein stehen heute Pflanzengifte, vor allem die als Saatgutbeizmittel  verwendeten Neonicotinoide unter Verdacht. Auch das geringere Nahrungsmittelangebot durch die industrielle Landwirtschaft mit ihrer geringen Artenvielfalt und riesigen Monokulturflächen könnte eine Rolle spielen. Hinzu kommen Klimawandel und eingeschleppte Erreger wie die Varroa-Milbe. Diese kann zwar medikamentös behandelt werden kann, schwächt aber die Bienen zusätzlich.

Allerdings läuft die Entwicklung nicht in allen Ländern der Erde nach dem gleichen Schema ab. In China und Indien seien beispielsweise in letzter Zeit die Zahlen der Bienenvölker wieder gestiegen, wird in Medien und Veröffentlichungen von Verbänden und Berufsorganisationen berichtet. Auch in Nordamerika und Europa seien nicht alle Regionen gleichermaßen vom Rückgang betroffen.

Acanthus mit HummelNeben der westlichen Honigbiene Apis mellifera spielen  Wildbienen und Hummeln (die zu den Wildbienen gehören) ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Bestäubung der Blütenpflanzen. Fliegen und Schmetterlinge tragen gleichermaßen ihren Teil dazu bei. Doch auch ihre Zahl scheint jetzt  abzunehmen, warnen Umweltverbände wie der Naturschutzbund (NABU) Deutschland. Damit könnte vielen Pflanzenarten die Existenzgrundlage entzogen werden, nicht nur Vögeln oder Kleinsäugern, die vorwiegend Insekten fressen. Die dicken Hummeln schaffen es sogar, recht „verschlossene“ Blüten zu öffnen, wie in diesem Fall die des Acanthus.

Was ist zu tun, um den Negativ-Trend zu stoppen und lebendige Vielfalt zu sichern? Gerade in Städten sind Initiativen gefragt und möglich. Neben den Gärten an Eigenheimen bieten Balkone, Terrassen, Dachflächen und Höfe Raum für grüne Experimente. Wählt man die richtigen Arten blühender Pflanzen und die in ihren Wuchseigenschaften geeigneten Sorten dafür aus, finden auch Insekten und Vögel eine Heimat im urbanen Umfeld. Rat und Unterstützung bieten die Vereinigungen der Imker, Naturschutzverbände und sogar engagierte Einzelpersonen an.

Diese Fachleute geben Tipps für Eigeninitiativen

In Dortmund finden sich Beispiele dafür: Hermann Hunfeld ist Kenner und Förderer der kaum bekannten Wildbienen. Die heute noch 560 Arten dieser Gattung in Deutschland stehen alle unter Naturschutz, zu 50 Prozent aber bereits auf der Roten Liste. (Siehe auch den Bericht „Wildbienen – sanfte Gartengäste“ unter „Natur und Garten“) In seinem Hörder Garten finden sich nicht nur viele Blütenpflanzen, die den kleinen Helfern ein breites Nahrungsspektrum bieten, sondern auch Insektenhotels der Fünf-Sterne-Kategorie. Er bietet Vorträge und Kurse zum Selberbauen solcher Unterkünfte an. Näheres findet sich auf seiner Homepage www.wildbien.de

Faerberkamille mit WildbienenDer Stadtverband Dortmund des NABU veranstaltet Informationstage zu Wild- und Honigbienen sowie  Hummeln in seinem Schaugarten in der Gartenanlage Dortmund-Nord, Eberstr. 46. 2017 fand dies am 8. Juli statt. Am 27. Juni gab es dort eine Schmetterlings-Zählaktion. Schmetterlinge wie Tagpfauenauge oder Zitronenfalter (jeweils im Bild) freuen sich auch über geeignete Futterpflanzen. Infos und Veranstaltungstermine finden sich auf der Webseite www.nabu-dortmund.de
 
Viele Aktivitäten und Informationen für alle, die Spaß an Bienenhaltung haben, bieten die Kreisimkervereine Dortmund und Castrop-Rauxel e.V. an. Unter www.dortmunder-imkervereine.de stellen sich die sechs dazugehörigen Ortsvereine mit ihren Terminen und Projekten vor. Der Dortmunder Kreisimkerverein betreibt übrigens auch den Lehrbienenstand im Botanischen Garten Rombergpark. Bei Veranstaltungsterminen wie Kräuter- oder Heidemarkt kann man dort ganz unverbindlich einmal erfahrenen Bienenfreunden über die Schulter schauen.

Zitronenfalter

 

Fotos: Monika Zybon-Biermann