Montag 19 August 2019

Botanischer Garten Dortmund

von  Michael Stork

Das Staudenbeet erhielt Besuch

BeetfuehrungenEine Gruppe von StaudenfreundInnen aus Braunschweig unternahm in der letzten Juliwoche eine mehrtägige Gartenreise, die sie über Gärten in Niedersachsen und Staudengärtnereien auch jenseits der niederländischen Grenze schließlich in den Botanischen Garten nach Dortmund führte.

Hier galt das besondere Interesse natürlich dem Staudenbeet, auch wenn der Schwerpunkt der Sammlungen hier deutlich im Bereich der Gehölze liegt. Das Staudenbeet wurde seit 1996 geplant von Staudenfreunden der Regionalgruppe Dortmund. Angelegt, erhalten und gepflegt wurde es in Zusammenarbeit mit Gärtnern des Botanischen Gartens und finanziert durch die Stadt Dortmund: Schließlich ist dieser Botanische Garten eine städtische Einrichtung. Die Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS) fördert das Staudenbeet durch eine jährliche Zuwendung.

Ueberpruefung des PflegezustandesDas erklärt auch den Pflegezustand des Beetes: Die Beetpaten gestalten verantwortlich ihre jeweiligen Beetabschnitte, werden aber unterstützt durch städtische Gärtner, die tägliche Pflegearbeiten durchführen. So eine Besucherin: „Ach so, mich wunderte schon, dass hier nicht alles braun ist!“

Den kräftigen und gesunden Wuchs der Beetpflanzen erklärte Hanspeter Eickmann mit der Aufbereitung des Bodens: Zu Beginn der Pflanzungen wurde eine einmalige Zugabe von Lava-Granulat (8kg/m²) eingefräst. Das dient einmal zur dauerhaften Lockerung des ursprünglich schweren Gartenbodens, aber auch als Langzeitdünger: Durch langsame und kontinuierliche Verwitterungsprozesse werden Spurenelemente freigesetzt, die dann den Pflanzen dauerhaft zur Verfügung stehen. Als weitere Düngung erhält das Beet eine Mulchung mit Rindenhumus (zweijährig, Zugabe von Hornspänen). Als besonderen Tipp rät Herr Eickmann: Lavagranulat im Baustoffhandel erwerben, dort gilt es als Winterstreugut und kostet entsprechend weniger.

Morina longifoliaMorina longifolia
(Elfendistel, Steppendistel)

... war einigen Besuchern unbekannt, erregte jedoch wegen ihrer auffälligen Blütenform Interesse. Näheres und Bezug: z.B. Gaißmayer Steppendistel

 

 

 

 

 

Wenn auch zunächst der Farbenrausch z.B. eines Phlox-Feldes oder einer weithin leuchtenden Gruppe Crocosmia ‚Lucifer‘ den Blick auf sich ziehen, so sind es doch häufig die etwas Zurückhaltenden, die bei näherer Betrachtung oder zusätzlicher Information Beachtung verdienen:

Sida hermaphroditaSida hermaphrodita
(Virginia - Malve)

beeindruckt weder durch auffällige Blütenfarbe noch -größe, noch -form. Allerdings erreicht sie mit mit 2,5 - 3m eine stattliche Wuchshöhe. In Einzelstellung bleibt sie relativ transparent, kann sich also in ein Gartenarangement einfügen. Bekannter ist sie als Nutzpflanze (Biomassenpflanze) in der Landwirtschaft mit breitem Anwendungsspektrum:

  • nachwachsender Energierohstoff
  • Papier-/Zelluloseindustrie
  • Pharmaindustrie
  • Futterpflanze
  • Rekultivierung von Industriebrachen

BienennaehrpflanzeAls Bienennährpflanze im landwirtschaftlichen Bereich werden Erträge bis zu 120 kg Honig pro Hektar erbracht.

 

 

Wegen der relativ langen Blütezeit kann im Garten ein vielfältiger Insektenbesuch beobachtet werden. Die Beetpaten des Staudenbeetes im Botanischen Garten Dortmund berücksichtigten außer den ‚typischen‘ Gestaltungskriterien für die Anlage eines solchen Beetes auch den Aspekt der Vielfalt.

Artenvielfalt spielt im steigenden Umweltbewußtsein eine wachsende Rolle: Als Slogan gut, aber es kann nicht das Ziel sein, „Bienen zu retten“! Honigbienen sind Nutztiere wie Rinder und Schweine und können ohne  Aufsicht des Imkers gar nicht existieren. Die Vielfalt aller Gliedertiere (nicht nur Insekten) ist in größter Gefahr! Ihre Nahrungsgrundlage sind häufig unbeachtete Pflanzen. Die Larven, zum Beispiel vom Malvendickkopf (Carcharodus alceae), ein ziemlich unbekannter Schmetterling, fressen ausschließlich Malvenblätter (monophag). Die hohlen Stängel vieler Beetpflanzen bieten Schutz und Überwinterungsorte für viele Insekten bzw. deren Larven: Ein wichtiger Aspekt für den herbstlichen (?) Rückschnitt der Beete.

Schlussbesprechung

Die Besucher der Regionalgruppe der GdS aus Braunschweig erhielten keine ‚Führung‘ im klassischen Sinne: Es war ein gegenseitiges Lernen und Informieren, ein guter Erfahrungsaustausch. Frau Standt aus Braunschweig bedankte sich mit einer großzügigen Spende für das Beet, die Dortmunder Gruppe bedankt sich für ihren Besuch.

Fotos: Michael Stork