Dienstag 11 Dezember 2018

Fische im Schlossteich schnappten nach Luft

von  Monika Zybon-Biermann

5. Gartenflair im Park von Haus Bodelschwingh nach Dürreperiode

 Erster Eindruck


Auf dem Weg vom alten „Dorf“ Bodelschwingh mit der kleinen gotischen Kirche und den zahlreichen Fachwerkhäusern geht man durch den  öffentlichen Teil des Schlossparks.

Den Engländern sagt man nach, dass sie viel vom Wetter reden, nicht nur, weil es im Vereinigten Königreich oft regnet, sondern weil sie obendrein das Gärtnern lieben. 2018 ist in Dortmund das Wetter ebenfalls ein Thema, aber deswegen, weil es nicht geregnet hat. Kein Wunder, dass auch die Bodelschwingher Schlossherrin Mireta Freifrau zu Knyphausen bei der Eröffnung der fünften Gartenflair-Messe die heißen, trockenen Sommermonate zu einem Thema ihrer Begrüßung machte: braunes Gras, Bäume mit vertrockneten Blättern, Rosen zu schlapp für die Blüte – sogar den Fischen im Schloßteich sei die Luft knapp geworden. Die Schauer der letzten Tage brachten Rettung: der Park im Nordwesten der Stadt zeigt sich an diesem Wochenende (zumeist) wieder frisch begrünt.

 Begruessung


Empfangszeremonie

mit Oberbürgermeister (links), Schlossherrin und -herrn

sowie Verwalterin vor viel Publikum.

In diesem Jahr eröffnete Oberbürgermeister Ullrich Sierau die dreitägige Messe am Wochenende des meteorologischen Herbstanfangs. Das Stadtoberhaupt betonte den Wert der romantischen Anlage von Haus und Park Bodelschwingh, seine Geschichte, Tradition und Bedeutung für die Westfalenmetropole. Während der Gartenflair und der neuen Weihnachtsmesse sei der Ort nun weithin bekannt geworden. In diesem Zusammenhang verwies er darauf, dass die nördlichen Stadtbezirke im Rahmen des „Nordwärts“-Projektes durch zusätzliches Grün entlang der Emscher und auch im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung 2027 aufgewertet werden sollen. Eröffnungsgäste waren außerdem Vertreter der Mengeder Lokalpolitik wie Bezirksbürgermeister Wilhelm Tölch und der örtlichen Vereine, z. B. Heimatvereinsvorsitzender Hans-Ulrich Peuser sowie Repräsentanten anderer Einrichtungen und viele Bürger. Das Wetter zeigte sich am ersten Tag von der für eine Gartenmesse besten Seite: weder kalt noch heiß und – trocken.

Fische im Teich

Dieser Blick vom Schlosshof auf den Teich bietet sich der Öffentlichkeit nur während der Veranstaltungen. Die Anlage ist privat bewohnt, von den Eigentümern und Mietern.

140 Aussteller nahmen oft weite Anreise in Kauf

140 Aussteller präsentierten ihr Angebot in den weißen Messe-Pagoden vor grüner Kulisse: Pflanzen wie Stauden und Gehölze waren ebenso zu finden wie seltene Gemüse, z. B. lila Kartoffeln oder bunte Kürbisse. Breiten Raum nahm wieder Dekoratives für den Garten ein, meist wetterfeste, plastische Arbeiten aus Ton oder Metall. Die Gärtner, Kunsthandwerker, aber auch die Anbieter von Essbarem hatten oft weite Anreisen hinter sich. So kamen Carmen und Werner Frank, die unter dem Stichwort „Erotische Kunst“ ihre mit Metall patinierten weiblichen Holzskulpturen anboten, aus München.

Außer Kaufrausch und Kaffeepause lässt sich noch jede Menge Unterhaltung mit Live-Musik, Kinderprogramm oder Ruderbootfahren auf der Schlossgräfte genießen. Liebhaber alter Bäume kommen bei einem Rundgang auch ganz ohne weiteres Programm auf ihre Kosten.

Alte Blutbuche

Bitte nur aus der Entfernung bewundern: Das oberflächennahe Wurzelwerk dieser alten Buche ist extrem empfindlich. Deshalb wird während der Messe der zu schützende Bereich mit Strohballen markiert.

Drehwuchs

Ein Baum wie aus einer anderen Welt: Diese Eiche zeigt ausgeprägten Drehwuchs.

Auffallend sind nicht nur die besonders alten, mächtigen Riesen wie Blutbuchen oder Kastanien. Außergewöhnlich ist die bizarre Gestalt (siehe Bild oben) einer Eiche mit Drehwuchs. Solche Eichen waren früher bei Schiffsbauern sehr gefragt, weil man aus ihnen Schiffe mit rundlichen Bäuchen bauen konnte, die mehr Frachtraum boten.

Das Phänomen ist bei Buchen allerdings bekannter. Im Süntelgebirge in Niedersachsen sind Bäume dieser Art häufiger zu entdecken. Es handelt sich um eine Mutation. Jede Süntelbuche ist übrigens einzigartig. Im Gegensatz zu den drehwüchsigen Eichen waren sie allerdings überhaupt nicht beliebt, weil ihr Holz zu nichts zu gebrauchen ist, nicht einmal für den Kamin. Es lässt sich nicht stapeln. Lediglich ihres märchenhaften Aussehens wegen pflanzte man sie als Blickfang in Parks. Eine der bekanntesten Süntelbuchen Deutschlands gibt es im Berggarten Hannover.

 

Fotos: Monika Zybon-Biermann