Dienstag 11 Dezember 2018

Gruselige Moorgedichte zum Heidefest

von  Monika Zybon-Biermann

Traditionsveranstaltung vor besonderer Kulisse

Kunstwelt

Kühles Regenwetter am Samstag dämpfte das Vergnügen, Sonne und angenehme Temperaturen am Sonntag bügelten alles wieder aus –  wen wundert‘s also: Das 21. Heidefest lockte am letzten August-Wochenende 2018 wieder Massen von Besuchern in den Rombergpark. Man ließ sich Würstchen und Kuchen schmecken; nur die Wespen störten gelegentlich.  Das Heidefest heißt so, weil es vor der Kulisse der künstlichen Heide-Moor-Landschaft stattfindet, mit 7000 Quadratmetern die größte dieser Art in Europa.

Die nasse Welt der Moore wirkt auf viele Menschen bedrohlich und lieferte schon Stoff für viele gruselige Geschichten und Gedichte. Ein weltweit bekanntes und oft verfilmtes Beispiel ist der Krimi-Klassiker von Sir Arthur Conan Doyle „Der Hund von Baskerville“.  Auch die Dichterin Annette von Droste Hülshoff wurde von der unheimlichen Stimmung dieser Landschaft inspiriert. Unter dem Motto „O schaurig ist‘s, übers Moor zu gehen“, der ersten Zeile ihres Gedichts „Der Knabe im Moor“, rezitierte  Peter Schütze am Samstag in der aus Torfsoden gebauten Moorkate aus den Werken der Münsterländerin.

Nichts speichert so viel CO2 wie Torfmoos

Was sollte man über Moore wissen? Diese einzig durch eine Pflanze, das Torfmoos, geschaffene,  weltweit durch Trockenlegung und Torfabbau bedrohte Landschaftsform, die viermal so viel CO2 speichert wie Tropenwälder, sei im Dortmunder Botanischen Garten angelegt worden, weil 1985 beim Bau einer Autobahn ein Stück Moor verschwinden sollte, so die Erläuterung von Parkchef Dr. Patrick Knopf. Das kostbare Stück unter Naturschutz stehenden Lebensraums sollte nicht weggeworfen werden.  Die mehrere Meter dicke Torfschichten brauchten Tausende von Jahren, um zu wachsen. Jedes Jahr kommen lediglich einige Millimeter hinzu, viel zu schade für den Kompost. Doch wohin damit? Das große Gelände des Dortmunder Botanischen Gartens bot sich an. Daher wurde das gesamte Material einschließlich des lebenden Torfmooses in der obersten Schicht nach Brünninghausen gebracht und dort über einer wasserdichten Abdeckung wieder aufgeschichtet.


Moor eingezaeuntDie Heide-Moor-Landschaft im Rombergpark ist die größte künstliche Anlage Europas.
Hier im Bild das Moor, sicherheitshalber eingezäunt.

Phantasie und Wirklichkeit trugen zum Image bei

 Warnung


Schild mit deutlicher Warnung.


Wie kam das Moor zum Grusel-Image? Dazu mögen außer dichterischer Phantasie auch einige Tatsachen beigetragen haben, z. B., dass im Moor scheinbar feste Oberflächen keineswegs begehbar sind und man dort tief einsinken könnte. Auf diesen Umstand weisen auch im Rombergpark in den entsprechenden Bereichen Warnschilder hin. Viel Aufmerksamkeit erregten in der Öffentlichkeit und unter Wissenschaftlern auch immer wieder die in Mooren gefundenen Leichen – und zwar nicht zuletzt deswegen, weil sie wegen des stark sauren Milieus vollständig erhalten blieben, sogar über lange Zeiträume hinweg. Dabei zeigte sich oft, dass die Toten nicht versehentlich in die Torfmoos-Falle getappt sind, sondern regelrecht hingerichtet worden waren, noch ein Grund für Gänsehaut.

Dafür wurde viel Sand verbaut, um das Terrain entsprechend vorzubereiten, damit es mit passenden Gehölzen wie Birken, Kiefern, Wacholder – und  Heidekraut natürlich – bepflanzt werden konnte.

MoorkateAus Torfsoden gebaut – eine echte Moorkate, der richtige Ort für Gruselgeschichten.

Was den Heidemarkt betrifft, so konnten die Besucher an den entsprechenden Ständen des Marktes Gehölze aller Art entdecken, auch Obstbäume und -sträucher, Stauden, Kräuter und Gartenschmuck. Tipps und Ratschläge zu allen Fragen rund um Natur und Garten gab es von Mitgliedern „grüner“  Vereine wie dem Freundeskreis des Botanischen Gartens, den Rosenfreunden, der Gesellschaft der Staudenfreunde und anderer Organisationen wie Greenpeace und NABU.

„Echte“ Heide in Dortmund wenig beachtet

Heide


Ein Öko-System für sandige Böden: die Heide.

Vielen Dortmundern weitaus weniger bekannt als die Heide-Moor-Landschaft des Rombergparks ist die Tatsache, dass es ganz im Nordwesten der Stadt, im Stadtbezirk Mengede, einmal eine typische Heidelandschaft gegeben hat. Darauf weist noch der Name der hauptsächlich aus Eigenheimen bestehenden Wohnsiedlung „Mengeder Heide“ hin. Ihre Bewohner graben sich in ihren Gärten durch ausgesprochen sandigen Boden – im Gegensatz zu anderen Bereichen des Stadtbezirks mit Lehm- oder Lösslehm-Erde. Außerdem trägt ein Naturschutzgebiet den Namen „Mengeder Heide“.

 

Das mit 15,3 Hektar kleinste der insgesamt fünf Naturschutzgebiete im Mengeder Raum weist allerdings nicht mehr viel Ähnlichkeit mit der ursprünglichen Landschaft auf. Es liegt eingeklemmt südöstlich des Autobahnkreuzes A2 und A 45. Hier gab es früher einmal eine Mülldeponie. Zudem verlor die Fläche einen Teil ihrer sandigen Abdeckung und zwar bereits in den 1930er Jahren, als man den Sand für den Bau der A 2 verwendete. Die dadurch entstandenen Mulden wurden zu Tümpeln oder versumpften. Die übrigen Bereiche gliedern sich in Wald- und Grünland. Hier leben seltene und bedrohte Vogel- und Amphibienarten. Die Festsetzung als Naturschutzgebiet erfolgte 2005.

 

Fotos©: M. Zybon-Biermann