Dienstag 17 September 2019

Gartenkunst am Weg zum Fußballtempel

von  Monika Zybon-Biermann

Senkgärten + Rosenterrassen versteckt wie Dornröschens Schloss

HeckentoreFür eine kleine Pause vor dem großen Spiel ist dies der ideale Ort. Viele Fußballfans, die aus der Dortmunder Innenstadt  Richtung Signal-Iduna-Park wandern, ziehen hier entlang, am Hang zwischen Westfalenhalle und Strobelallee. Die meisten gehen den Weg, ohne zu wissen, dass sie an einem einzigartigen Kulturdenkmal vorbeiwandern ‒ eins, in das sie auch hineingehen könnten, um sich vor dem großen Event einen Augenblick der Ruhe zu gönnen, kostenlos und ohne Umweg.

Die Rede ist von den 1988 unter Schutz gestellten Senkgärten an den Rosenterrassen. Südlich der Westfalenhalle findet man sie. Verborgen wie Dornröschens Schloss hinter hohen Hecken, durch deren Tore man ins Innere gelangt, bilden Rosenterrassen und Senkgärten eine Abfolge von geometrisch angelegten Sälen mit lebendigen Wänden aus Hainbuchen  ̶  alles andere als ein geheimer Garten, aber immer noch nicht allgemein bekannt. Das Foto rechts mit dem Blick Richtung Westen entstand, wie die anderen auch, am 17. November. Die Farben feiern den Herbst.

Garten I Ost

AusblickWas sind Senkgärten? Eigentlich nichts anderes als Anlagen in meist terrassenartig abgestuften Mulden, kleine Arenen für empfindliche Pflanzen. In den künstlichen Tälern sind Gewächse aus wärmeren Gebieten vor kalten Winden geschützt. Diese sehr alte Form der Gestaltung kam in England im 18. und 19. Jahrhundert in Mode, als die Kolonialmacht das Sammeln exotischer Pflanzen entdeckte und dafür entsprechende Konstruktionen gegen zeitweilig raues Inselklima brauchte.  Die beiden Dortmunder Beispiele sind unterschiedlich geschnitten; der westliche Bereich ist achteckig; der östliche (oben) viereckig angelegt. In dieser Form sind die zwei einzigartig für Deutschland, ganz anders als der berühmtere Senkgarten Karl Foersters in Potsdam-Bornim. (Siehe dazu auch unseren Bericht „Baudenkmäler in Grün...“)

2014 wurden die je 400 Quadratmeter großen Gartenräume gründlich renoviert und neu bepflanzt – mit einer auf Dauer angelegten Kombination aus Stauden und Gräsern, ohne Sträucher, ohne einjährige Sommerblumen. Die Neugestaltung sollte ganzjährig ein ansprechendes Bild bieten und möglichst wenig Pflege benötigen. Das moderne, ökologisch durchdachte Konzept wurde in einer Kooperation zwischen dem Ausbildungsbetrieb von Stadtgrün und einer Planungsgruppe der Dortmunder Gesellschaft der Staudenfreunde entwickelt und realisiert.

Herbstarbeit

Die Stadt würdigt dieses Projekt auf einer eigenen Webseite. Dort kann man eine Fotostrecke mit 15 Ansichten anschauen. Wie man auf dem Bild des westlichen, achteckigen Gartenteils oben sieht, kommt auch im Winter beim Anblick der Staudenbepflanzung keine Langeweile auf. Bei den Pflegearbeiten, die hier im vollen Gange sind, wird im Spätherbst nicht alles zurückgeschnitten.

Grüne Wände

Hereinspaziert, bitte einzutreten – alle Besucher in der Westfalenmetropole sind willkommen.

Fotos: Monika Zybon-Biermann