Samstag 23 Juli 2016

Wildbienen – sanfte Gartengäste

Hermann Hunfeld informierte über wichtige Insektenfamilie

Hermann HunfeldWie kommt ein Fachmann für Elektrotechnik in der Stahlindustrie dazu, Experte für Wildbienen zu werden und sich dem Naturschutz zu widmen? Vielleicht liegt es auch daran, dass der Dortmunder Diplom-Ingenieur Hermann Hunfeld (Bild) sein Leben als Kind einer Bauernfamilie im ländlichen Emsland begann. Jetzt verriet er den Dortmunder Staudenfreunden, was Wildbienen sind, was sie leisten und was getan werden kann, um sie vor der Vernichtung zu retten.

Wenn von Bienen die Rede ist, denken die meisten an die von Imkern betreute Honigbiene, die ebenfalls durch schrumpfendes Nahrungsangebot und hemmungslosen Insektiztideinsatz stark bedroht ist. Es ist aber kaum bekannt, dass es daneben viele andere Bienenarten gibt, die zwar keinen Honig liefern und nicht stechen, jedoch für die Bestäubung von Pflanzen einen ähnlich wichtigen Beitrag liefern wie Apis mellifica, so der wissenschaftliche Name von Biene Maja & Co.

Zwar sind die in Völkern auftretenden Bienen und Hummeln die bekanntesten Vertreter der Insektenfamilie, aber die als Einzelgänger lebenden, weitgehend unbekannten Wildbienen stellen das Gros der Arten, etwa 30.000 weltweit. In Deutschland allein sind es ca. 550 Spezies, die dazu gezählt werden. Viele von ihnen sind auf eine einzige Pflanzengattung oder Art spezialisiert. Carl von Linné, der Ende des 18. Jahrhunderts neben der botanischen Nomenklatur auch die Insekten wissenschaftlich einordnete, entdeckte noch weit mehr Arten in Europa als heute. Ein erschreckend hoher Prozentsatz ist ausgestorben – und mit den Bestäuber-Insekten auch die Pflanzen, da beide aufeinander angewiesen sind.

Alle Wildbienen stehen unter strengem Artenschutz, aber die Realität steht dessen Durchsetzung oft im Weg. Hermann Hunfeld beklagt, dass selbst städtische Behörden in falsch verstandenem Sauberkeitswahn noch zu viel abmähen und häckseln. Dabei werden hohle Stängel und Halme gern als Brutröhren für den Wildbienen-Nachwuchs genutzt. Es gibt sogar Arten, die leere Schneckenhäuser dafür herrichten.

Einzelgänger, die ihre Kinder nie sehen

Ob Mauer-, Efeu-Seiden- oder Maskenbiene – sie alle haben einen sanften Charakter und brauchen keine Königin. Es gibt nur Weibchen und deutlich kleinere Männchen. Beide sterben nach Paarung und Anlage der Brutröhre ab. „Die Wildbienen bekommen ihre Kinder nie zu Gesicht“, konstatiert Hunfeld. Trotzdem weiß die nächste Generation genau, was zu tun ist, um sich im Frühjahr aus der verschlossenen Röhre zu befreien und welche Nahrungspflanzen die Richtigen sind.

Wildbienen fliegen im Gegensatz zu den bis drei Kilometer im Umkreis arbeitenden Honigbienen nur 300 Meter weit. In diesem Bereich sammeln sie überaus effektiv Pollen und befruchten „nebenbei“ ihre jeweilige Futterpflanze. Obstbauern nutzen inzwischen neben den von Imkern gelieferten Stöcken mit Honigbienen auch Insektenhotels für Wildbienen, um ihre Ernterträge zu steigern und eine gute Fruchtqualität zu erhalten.
 
Lediglich die Getreidearten werden nur durch Wind bestäubt; bei 80 % unserer Nahrungspflanzen sind auch Insekten nötig. Ein Beispiel mag dies verdeutlichen: Ein Mandelbaum liefert nur mit Hilfe des Windes zehn Kilo Mandeln. Kommen Insekten hinzu, bringt er es auf das Siebenfache! Albert Einsteins berühmte Warnung „Wenn die Bienen verschwinden,...hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“, mag keine exakte Voraussage sein, aber die Bedrohung für das gesamte Ökosystem ist gewiss.

Viele Blüten und etwas Unordnung

Was können alle Gartenbesitzer tun, um die kleinen Sechsbeiner anzulocken und zu unterstützen? Ganz klar – zunächst brauchen sie etwas zu essen. Blüten müssen her. Hunfeld rät zu heimischen Pflanzen, auch einjähriges Blütenfutter ist beliebt. Phacelia zum Beispiel, der bekannte Bienenfreund, ist hübsch anzusehen und wächst schnell heran. Alle Gewürzkräuter wie Salbei, Minze, Thymian und Lavendel, aber auch andere Lippenblütler haben immer Insekten-Besuch. Margeriten, Sonnenhüte, Sedum und Glockenblumen – sie locken ebenfalls jede Menge Bienen an.

Die Voraussetzung, um die nützlichen Tierchen dann zum Bleiben zu bewegen: Sie brauchen Raum für ihren Nachwuchs. Das heißt: Nicht alles abschneiden, den Garten nicht übermäßig „putzen“, Pflanzenschnitt nicht gehäckselt auf den Kompost bringen, sondern auch Halme, die als Brutröhren dienen können, ganz lassen. Und: ein Insektenhotel aufstellen. Letzteres muss allerdings sachkundig angefertigt werden. Gut geeignet sind Bambusstäbe, weil sie innen glatt sind. Wenn man sie jeweils am Knoten abschneidet, ist ein Teil der Röhre bereits geschlossen, was ganz wichtig ist, damit ein Wildbienenweibchen hier Eier ablegt.

Weitere Ratschläge für die Einrichtung von Insektenhotels und fertige Beispiele für Bienenwohnungen aller Art findet man auf der Website von Hermann Hunfeld unter www.wildbien.de

Text und Foto: Monika Zybon-Biermann